War Gott auch in Auschwitz?

Zeitzeuge Sally Perel erzählt von seinen Erlebnissen während der NS-Zeit


Wenn das Forum aus allen Nähten platzt, muss es ein besonderes Ereignis sein. Und in der Tat: Dass der 94-jährige Sally Perel, Überlebender des Holocaust und Autor von „Ich war Hitlerjunge Salomon“ im Adolfinum spricht, zog nicht nur die Schüler aller Klassenstufen und Lehrer an. Auch einige Eltern sowie Schüler und Lehrer der Oberstufe waren gekommen.

Perel berichtet von seiner sehr glücklich erinnerten Kindheit in Peine, die sich mit Inkrafttreten der Nürnberger Rassengesetze 1935 schlagartig änderte: Der kurz darauf folgende Rauswurf aus der Schule war für den Jugendlichen ein einschneidendes Erlebnis. Was dann für ihn folgte, ist ein einzigartiges Schicksal: Geflüchtet nach Polen, von seinen Eltern weggeschickt gen  Osten, landet er in einem bolschewistischen Waisenhaus und später in der Hitlerjugend. Eindrucksvoll schildert Perel, wie er trotz jüdischer Abstammung der Ideologie verfällt. Den inneren Zwiespalt, der sich in seiner Seele festsetzt, wird er schwerlich wieder los. Man kann nur erahnen, in welcher Todesangst der Jugendliche täglich unter seinen Feinden gelebt haben muss. Vier Jahre waren es, Perel spricht von vier Ewigkeiten.

Besonders bewegend sind die Schilderungen seines späteren Besuchs in Auschwitz, den er als moralische Pflicht eines jeden Menschen empfindet. Die Todesfabrik gilt als Symbol der schlimmsten Tragödie der Geschichte, 6 Millionen Menschen sind in Lagern wie diesem getötet worden, davon 1,5 Mio. Kinder und Säuglinge. „Menschen, die jetzt alle Großväter und Großmütter sein sollten“, bedauert er die Schicksale seiner Glaubensbrüder. „Wo 1,5 Millionen Kinder zu Asche verbrannt wurden, konnte Gott nicht gewesen sein“, so Perel.

„Wer die Vergangenheit leugnet, kann in der Gegenwart nicht auf festem Boden stehen.“, betont Perel. Deshalb tourt er durch Deutschlands Schulen und erzählt seine Geschichte, um Holocaustleugnungen und der „braunen Gefahr“ entgegenzuwirken und die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren. Damit die Jugendlichen verstehen und aus der Geschichte lernen, denn Bücher und Filme können kaum transportieren, was ein Überlebender aus Fleisch und Blut zu bewirken vermag.

 

dub 19.12.19