Wahlkampf um die politische Führung in Adolantis

Wer kann die Wähler von sich überzeugen? Der Wahlkampf geht in die heiße Phase.

Seit Beginn der Woche hängen Plakate der Parteien im Schulgebäude, am heutigen Mittwoch stellten sich die Kanzlerkandidaten dem Volk vor. Die Podiumsdiskussion bestand aus drei Runden: Vorstellung der eigenen Person, Vorstellung des programmatischen Schwerpunkts der Partei und der offenen Fragerunde. Vonseiten der Lokalpolitiker wurde das Projekt begrüßt, Moderator Volkmar Heuer-Strathmann richtete Grüße aus sowie das Lob, dass in Zeiten wie diesen das Projekt ein wichtiges Statement zu Demokratie, Diskussionskultur und dem gemeinschaftlichen Miteinander setze.

(v.l.: Lasse Käber (Jg.12) POSEIDON, Karl Specht (Jg.12) FEPA, Robert Schmidt (Jg.11) FDA, Janne Rohrbach (Jg.10) SUPA, Lilian Viezens (Jg.12) PGSG, Markus Schwegel (Jg.12) PATEI, Yannick Everding (Jg.12) PDL)

Bezüglich der Koalitionsfrage kristallisierten sich bereits erste Sympathien, z.B. zwischen PDL, POS und der PATEI oder SUPA und PGSG heraus, aber auch Antipathien zur FDA wurden deutlich. Die FEPA trat bei der Koalitionsfrage in den Hintergrund; es wird sich zeigen, ob die selbst ernannte „Einheitspartei“ bei der Wahl in der Masse untergeht oder bei Bündnissen eine Rolle spielen wird. Björn Riemer, Mitorganisator der Projektwoche, erinnerte an die Arbeit, die in den Vorbereitungen stecke und mahnte einen fairen Wahlkampf an. Es wird nicht dementiert, dass „gewisse Vorgänge“ bisher unsauber vonstattengegangen sind: Von Plakatschmierereien und gar abgerissenen Plakaten ist die Rede. Alles also wie im echten Leben, oder hat noch nie jemand Wahlkampfplakate mit Bärtchen gesehen, die nicht zum Original gehören? Vorrangig verantwortlich gemacht für die Stimmung gegen die FDA wird neben der Namensverwandtschaft zur AFD auch die Ähnlichkeit der Plakate. Dabei sind Slogans wie „Die Kampfbieber“ und „Das Käsebrötchen soll bezahlbar bleiben“ doch eher humoristisch, eventuelle Parallelen zur Realität satirisch gemeint.

Sie seien die „echten Liberalen“, so Kanzlerkandidat Robert Schmidt und daher z.B. auch für eine freie Marktwirtschaft. Aber Umweltschutz fordert seinen Tribut, daher stehen die Parteien PGSG und SUPA eher für eine soziale Marktwirtschaft, auch eine CO2-Steuer sei unabdingbar. Man habe auch aus dem letzten Staatsstreich gelernt: Die PDL will die Polizei älter aufstellen, „ab Jahrgang 9 oder 10“, so Yannick Everding, da es in der Vergangenheit wohl Probleme z.B. für Fünftklässler bereitet habe, Elftklässler abzuführen. Schulungen dahingehend tut er ab, Autorität und Körpergröße seien nicht erlernbar. Recht hat er, aber vielleicht sollte sich jeder an die eigene Nase fassen und auf das Gedankenexperiment einlassen: Dass einen da kein Fünftklässler abholen kommt, sondern ein Polizist des Staates Adolantis, dem man ungeachtet jedweder Körpergröße laut Verfassung Folge zu leisten hat.

Unter dem Strich kann sich das Wahlprogramm sehen lassen: Neben finanzieller Stabilität verspricht POSEIDON - stilecht mit Dreizack - vor allem Transparenz, ein Socialmediakanal bestehe bereits. FEPA hat sich der Aufklärungsarbeit verschrieben, denn Wissen sei die Basis allen Fortschritts: Sie locken u.a. mit Workshops für Lehrer die technologischen Einrichtungen der Schule betreffend, was über die Projektwoche hinaus äußerst positive Auswirkungen haben dürfte. Die FDA ködert nicht nur mit bezahlbaren Brötchen und wenig Marktregulierung, auch ein Fußballturnier steht auf ihrem Programm. SUPA steht hauptsächlich für sozialverträglichen Umweltschutz, während sich PGSG zusätzlich soziale Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben hat. Kanzlerkandidatin Lilian Viezens hofft darauf, dass der Ansatz ihrer Partei über die Projektwoche hinaus in den Köpfen wirkt und zum Umdenken anregt – damit sich zum Schutz vor anzüglichen Verbalattacken im Club niemand mehr als „lesbische Freundin“ ausgeben muss. Die Schwerpunkte der PATEI verrät ihr Name, wobei der Punkt der Internationalisierung eher dem schmucken Akronym geschuldet ist, wie Markus Schwegel verrät. Der Politikkurs Herrn Riemers vereint sich zur Partei der Liberalen für Adolantis, die keine „schwarze 0“ halten, sondern Investitionen tätigen wollen, u.a. auch für Einladungen prominenter Gäste von außerhalb.

So richtig in die Mangel genommen wurde keiner der Spitzenkandidaten, die Fragen aus dem Publikum waren eher unverfänglich gestellt und die gesamte Diskussion mutete sehr vorsichtig, geradezu untypisch für Diskussionsrunden unter Politikern an: Man ließ den anderen ausreden, hob die Hand, wenn man etwas zu sagen hatte oder blieb einfach stumm. Das Feuer der jungen PolitikerInnen kann und darf noch etwas stärker lodern, aber der Wahlkampf läuft ja noch!

dub 12.02.2020