Aus dem Sommer Perus mitten hinein in den deutschen Winter

Marialexandra Horna Arrieta zwei Monate zu Gast in Bückeburg

Schnee fasziniert sie, auch noch nach zwei Wochen, die Kälte in Deutschland, die aber ist unangenehm, die lässt frösteln. Für zwei Monate ist Marialexandra Horna Arrieta aus Lima, der Hauptstadt Perus, zu Gast in Bückeburg. An der Seite ihrer Gastgeberin Julina Lotze besucht sie den Unterricht der Klasse 9.3 am Adolfinum.

Der Kontakt wurde über CAPA hergestellt, eine Organisation, die den Schüleraustausch zwischen dem Andenstaat und Deutschland fördern möchte. Spanischkenntnisse sind dabei ausdrücklich nicht Voraussetzung. So besucht zurzeit eine Gruppe von etwa 60 Schülern aus Peru die Bundesrepublik - verteilt über das ganze Land. Gestartet ist man gemeinsam in Berlin mit einem Programm, das Eindruck hinterlassen hat - das Gespräch mit Marialexandra zeigt es. Deutsche Geschichte wurde  greifbar an Mauerresten und in Gedenkstätten, deutsche Gegenwart war zu erleben im Trubel der Stadt. Um Politik ging es im Bundestag, wo ein Besuch auf der Reichstagskuppel natürlich nicht fehlen durfte.

Marialexandra beherrscht die deutsche Sprache sicher. An der Reina del Mundo Schule in Lima lernt man Deutsch schon in jungen Jahren. Die Schule wurde von Nonnen aus Hildesheim gegründet. So gehörte denn auch ein Besuch in der Bischofstadt zum Besuchsprogramm in Deutschland. Während der freien Tage zum Halbjahreswechsel geht es mit Familie Lotze in den Norden an die Küste.         

Julina Lotze möchte ihren Gegenbesuch in Lima machen, ehe die Oberstufe beginnt. Als Schülerin des ersten G-9-Jahrganges hat sie wieder mehr Spielraum. Ob die Lateinerin noch das Fach Spanisch als dritte Fremdsprache beginnen wird, ist noch nicht entschieden. Beide Mädchen können sich vorstellen, später eine Zeit im Ausland zu studieren. Das Interesse am Fremden ist geweckt, die Faszination wirkt. Und die Gastfreundlichkeit ermutigt. An Heimweh hat Marialexandra noch nicht gelitten. Das mag auch an der Möglichkeit liegen, täglich Kontakt mit Eltern oder Freunden zu haben - dank Internet und Flatrate.

In Peru hatte Gudrun Pausewangs Jugendroman "Die Wolke" ins Hessische geführt - mitten hinein in den furchtbaren Super-GAU. Landeskunde auf der Basis von Literatur ist immer eine heikle Sache. Zurzeit lernt Marialexandra die Schweiz kennen - oder was  Friedrich Dürrenmatt davon in dem Roman "Das Versprechen" hat Vorstellung werden lassen. Jenseits aller Fiktionen geht es am Ende der Austauschmaßnahme gemeinsam mit den anderen Peruanern in die Alpen. Daheim wird später bestimmt gefragt nach der Bergwelt mit  ihren gewaltigen weißen Schneemassen und den erhaben wirkenden Bergmassiven. Dabei hat Peru mit dem fast 7000 Meter hohen Nevado Huascarán auch schon etwas mehr zu bieten als Harrl und Harz. 

Volkmar Heuer-Strathmann