Echt schwerer Stoff diese Gravitationswellen

Vom Todeskampf der Schwarzen Löcher…

Von Justus Schmidt

Fragte man Schüler des Adolfinums, wo in Niedersachsen Physik auf Weltniveau betrieben wird, würden zumindest zehn Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs antworten: In ein paar Containern in der Nähe von Sarstedt! Diese Schüler besuchten nämlich am 4. Juni gemeinsam mit den Physiklehrern Herrn Fabian, Frau Bürger-Stockkamp und Herrn Schmidt den dort gelegenen Gravitationswellendetektor GEO600 (benannt nach der Armlänge des Messgeräts 600m).

Gravitationswellen? Gab es dafür nicht kürzlich erst den Nobelpreis? Ja, richtig, im Jahr 2017 erhielten Forscher der LIGO-Kooperation den Preis für den Nachweis von Gravitationswellen mit ihren riesigen Interferometern. Das GEO600 konnte zwar die Messungen nicht selbst machen, aber ein Großteil der Technologie, die in Amerika und Italien verbaut ist, wurde zuerst von einigen 100 der über 2000 LIGO-Forscher in Hannover oder Glasgow entwickelt und hier in Sarstedt perfektioniert.

Trotz Regeneinbrüchen in der Nacht zuvor nahm sich Site Manager Dr. Christoph Affeldt viel Zeit, um seinen Besuchern die Technik und Wissenschaft von Gravitationswellendetektoren nahezubringen. Geduldig erläuterte er die physikalischen Grundlagen, erzählte von konstruktiver und destruktiver Interferenz und Schwarzen Löchern, die einander im Todeskampf umkreisen und dabei die Raumzeit so verzerren, dass wir es auf der Erde messen können. Gerüstet mit diesem Wissen konnten die Schüler und Lehrer dann sogar einen Blick in den Laserschutzbereich werfen und einige merkten, wie schnell so eine Schutzbrille doch beschlagen kann (vor allem bei 25° im Schatten)…

Zwei Stunden später waren alle Beteiligten erschöpft und erschlagen, aber mit deutlich erweitertem Horizont und einem ganz neuen Eindruck davon, wie weltbewegende Physik aussehen kann, wieder auf dem Weg nach Hause. Es bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft physikinteressierte Schüler die Gelegenheit bekommen werden, Wissenschaft so nah zu erleben!