Gibt es wirkungsvolle Strategien gegen Gerede, Provokation und Hetze?

Streitkultur als ein Element eines modernen Demokratieverständnisses

Zank, Zwist und Zoff, hetzen, petzen und verletzen – Worte aus dem Wörterbuch der Uneinigkeit. Intrigieren, oktroyieren und diffamieren kommen auch aus dem Giftschrank, klingen nur nicht so deutsch. Im Jahrgang 11 hatten drei Klassen die Gelegenheit, an einem „Training“ teilzunehmen, das fit machen soll für die Auseinandersetzung mit Positionen jeder Art, also auch solchen, die nicht aus dem Gewächshaus daheim oder der Komfortzone Gleichgesinnter stammen.

Was eigentlich von Konflikttrainer Max Barnewitz als Workshop auf mehrere Tage angelegt ist und auf „Strategien gegen Populismus“ abzielt, entpuppte sich zum Beispiel in der Klasse 11.1 in 90 Minuten eher als Einführung in Grundfragen der Streitkultur. Um Demokratie ging es, um Disput und Diskurs, um Konsens und Kompromiss. Dass auch harte Auseinandersetzung zur offenen Gesellschaft dazugehöre, war einhellige Meinung. Es war zumindest kein Widerspruch zu vernehmen.

Der Unterricht im Fach Politik-Wirtschaft, so Barnewitz, der vor ein paar Jahren am Ratsgymnasium Stadthagen sein Abitur gemacht hat und heute in Bamberg Politologie studiert, leide oft daran, dass die emotionale Seite von Kontroversen nicht einbezogen werde. Sachlichkeit herrsche vor, scheinbar.

Im entwickelnden Gespräch wurden Aspekte herausgearbeitet, die womöglich helfen können, damit die untergründige Kraft der Affekte nicht dominiert, auf keiner Seite. Identitätsbewusstsein gehört dazu, Zielorientierung und gegenseitiger Respekt - bei polarisierenden Themen kein Leichtes. Zuhören wird zur Kulturleistung, wirkliches Zuhören, also ein Aufnehmen, das sich der eigenen Grenzen, Werte und Gewohnheiten bewusst ist und offen ist für Neues, Fremdes, Befremdendes.

Bis zum „Stammtisch“ sei man nicht vorgedrungen, war aus der Klasse 11.4 zu hören. Populismus? Kein Thema. Fortsetzung folgt?

Volkmar Heuer-Strathmann