Anwesenheitskontrolle im Forum durch Gesichtserkennung

Ein schönes Stück Zukunftsmusik in Sachen Digitalisierung?

Drei Jahrgänge im Forum, das dürfte eng werden. Das hatten vermutlich die Verantwortlichen um SV-Lehrer Björn Riemer gedacht, sich aber angesichts der Reife der Ältesten unter den Älteren doch dafür entschieden, als sie die rund 1000 Schüler der acht Jahrgänge auf drei Vollversammlungen verteilten. Die Jahrgänge 10, 11 und 12 sollten den krönenden Abschluss bilden. Etwas zusammenrücken, das würde schon glücken trotz aller Tücken.

Dann kam alles ganz anders. Stühle blieben leer. Löcher waren zu sehen. Und die Ränder waren alles andere als randvoll. „Sag mir, wo die Schüler sind, wo sind sie geblieben“, hätte man singen mögen, wäre der unsterbliche Song der Friedensbewegung nicht so ernst. Für den Aufbruch nach Berlin zur Schüleraktion „Friday for Future!“ wäre es fünf vor zwölf, also kurz nach dem Leistungskursunterricht, eigentlich ein bisschen zu spät gewesen.

Was tun? Fotoauswertung? Vergrößern und abgleichen, was der Hoffotograf festgehalten hat, Pixel für Pixel, Person für Person, Seminarfach um Seminarfach? Eine lästige Arbeit. Im Kurs „Identität“ wäre wenigstens ein gewisser Themenbezug vorhanden. Und reichlich rechtliche Aspekte, um daraus schöne Strafarbeitsthemen für Schwänzende zu machen mit etwas Recherche und reichlich Anforderungsbereich III.

Die leidige Identifizierung dürfte bald ganz einfach sein, wenn die Schulen voll digitalisiert sind. Feldversuche der Polizei haben in Berlin gezeigt, was Bilder in Massen so bringen an Vertrautheit. Gesichtserkennung heißt das Stichwort. Auf die Augen kommt es an, wie bei Vertrauensfragen. Kunden und ihre (noch anonymen) Wege durch die Eingangszonen von Geschäften kennen moderne Kamerasysteme heute schon, das wissen diejenigen, die sich im 11. Jahrgang nach dem Praktikum mit Aspekten der Digitalisierung im Einzelhandel befassen. Noch werden nur Frequenzen und Takte erfasst, Besucherströme eben.

Nun sollen einige der zukünftigen Abiturienten, die gegen 13 Uhr so schmerzlich vermisst wurden, den Umweg über die Mülltonnenecke gewagt haben, nach glaubwürdigen Zeugenaussagen so etwa zur Halbzeit der sogenannten Vollversammlung mit Leerstellen. Ein Schild warnt dort alle schrägen Vögel seit Jahren vor „Videoüberwachung“. Eine Kamera hat allerdings noch niemand finden können. Ob sich das bald ändert? Dann wird zum Einstieg gesungen: „Alle Vögel sind schon da, alle Vögel alle…“ Wer die Flatter gemacht hat, weiß die intelligente Technik. Doch will man das überhaupt wissen in Stätten der Bildung und Erziehung, vom verbürgten Recht am eigenen Bild gar nicht erst zu reden…

Volkmar Heuer-Strathmann