Ein Stück Zeitgeschichte als Galerie im Obergeschoss

Erinnerung an die Bücherverbrennung im Mai 1933

Mühsam, Tucholsky, Döblin – mit diesen Namen beginnt die Bildergalerie, die sich seit kurzer Zeit im Obergeschoss befindet. Das Thema: die Bücherverbrennung vom Mai 1933. Aus Anlass der 85. Wiederkehr der Schandtaten von SA, nationalsozialistisch eingefärbten Studenten und Professoren sowie freiwilligen Helfern hatten Schülerinnen der Oberstufe eine Ausstellung vorbereitet, die 2018 für eine gewisse Zeit auch in der Stadtbücherei zu sehen war.    

Renate Engelmann, die ehemalige Mitarbeiterin der Bibliothek, hat keine Mühe gescheut, um die Materialien so zu sichern, dass auf eine nachhaltige Wirkung gehofft werden kann. Professionell gestaltete "Schaufenster" lassen einen  genauen Blick auf einzelne Autoren zu, deren Werke den besonderen Hass der Nazis auf sich gezogen hatten. Erich Kästner, Heinrich Mann und Bertolt Brecht schließen die Ehrengala. Thomas Mann, der im Exil Geläuterte, der vor 1933 immer wieder eher nationalkonservativ argumentiert hatte, ist leider nicht dabei.

Im Gedränge der Pausen haben die Schülerinnen und Schüler vielleicht kein Auge für die Galerie. Ein gezielter Besuch als Teil des Deutschunterrichts bietet da schon andere Möglichkeiten. Die Bücherei bietet natürlich die Gelegenheit, „verbrannte Literatur“ auszuleihen und zu lesen. Bibliotheksleiterin Christine Busch erteilt gerne nähere Auskünfte. Einer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ steht es ohnehin gut an, auf Verbrechen dieser Art hinzuweisen. Wer genau hinschaut, sieht, was Heinrich Heine schon im 19. Jahrhundert prophezeite. Es kam, wie es nicht hätte kommen müssen, hätten irgendwo Menschen den aufgeputschten Brandstiftern in den Arm gegriffen.

Eine besonders unrühmliche Rolle hatte übrigens Prinz Friedrich-Christian zu Schaumburg-Lippe bei der Aktion aus dem Haus Goebbels, in den Jahren der Weimarer Republik selbst ein paar Jahre als Adelsspross angeblich gehänselter Schüler am Gymnasium Adolfinum. Autobiografische Werke, die seine Uneinsichtigkeit zeigen, meinte er der Schule  später vermachen zu müssen, handsigniert natürlich und mit guten Wünschen versehen. Man kann sie (nicht) vergessen.

Volkmar Heuer-Strathmann