„Der Vorname“ – eine Komödie rund um den Namen „Adolf“

In den Schulkinowochen 2019 leider noch nicht im Programm

„Ist das überhaupt erlaubt?“ Die Frage wird Lehrkräften des Adolfinum gelegentlich gestellt, wenn sie aus Anlass von Tagungen oder Fortbildungen ein wenig scheu und verschämt preisgeben, wie die Schule heißt, an der sie mit Fleiß tätig sind. Gibt man dann genau Auskunft über den Hintergrund der Namengebung im 19. Jahrhundert, erlahmt das Interesse sofort. Irgendein Adolf von nirgendwo und dann auch noch Georg im Nachspann, das interessiert keinen Menschen. Weiter in der Tagesordnung, Stichwort Reisekostenabrechnung.

Nun kann die Sache endlich in ein ganz anderes Licht gerückt werden. Und man kommt aus dem Lachen kaum heraus. „Ist das überhaupt erlaubt?“, fragt ein gewisser Stephan, seines Zeichens in Bonn am Rhein Professor der Literaturwissenschaft und von keinem Geringeren gespielt als Charakterdarsteller Christoph Maria Herbst. Thomas und Anna wollen doch tatsächlich, so erzählt Trendtyp Thomas dem zitatensicheren Büchermenschen, den erwarteten Sohn „Adolf“ nennen. Stephan gerät völlig aus dem Reclam-Häuschen. Ein Schwerverbrecher, ein Massenmörder! Adolf als Name für ein unschuldiges Baby: Leichtfertig! Unverantwortlich! Skandalös! Der Name scheint für immer verbrannt. "Später soll der Knabe dann wahrscheinlich auch noch auf eine Schule namens  Adolfinum gehen", sagt der Hochkorrekte übrigens nicht. 

Regisseur Sönke Wortmann und seinem Super-Team gelingt es mit dem Film, der Vorläufer hatte in Lichtspielhaus und Theatersaal, Typen zu karikieren, die man kennen könnte in der Welt mit AfD und Merkels „Okay“ vom September 2015, die Bindungen und Trennungen erleben, aus Rollenmustern kaum herauskommen und sich 90 Minuten Wortgefechte liefern wie in „Gott des Gemetzels“ oder dem Meisterwerk „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Mehr sei nicht gesagt, denn der Film läuft noch in einzelnen Schaumburger Kinos. Zum Programm der Niedersächsischen Schulkinowochen wird er 2019 noch nicht gehören.

Dass die Außenstelle des Gymnasiums mal von irgendeinem Pädagogen zwischen zwei Klingelzeichen im Scherz „Der kleine Adolf“ genannt wurde, weiß ja zum Glück niemand in Bückeburg und am Hofe, von wo die leidige Namensgeschichte ihren Anfang nahm seinerzeit aus Herrlichkeit und Eitelkeit…

Volkmar Heuer-Strathmann