Vandalismus oder Wortkunst im Obergeschoss?

Zwei Worte, die buchstäblich Fragen aufwerfen

Das Werk wirkt unvollendet. Zwei Worte, mehr nicht. Für ein Feindbild zu wenig. Aber ein klarer Strich, eine gut lesbare Schrift. Damit kommen nur noch wenige Menschen in Frage als Urheber der Denkschrift. Aber was bricht sich hier Bahn? Ein Fall von Schulwahn? Oder jener Thriller von Schiller?

„Ist aus dem Innern doch der Feind verjagt, dem Feind von außen wollen wir begegnen“, heißt es im „Tell“ im V. Akt. Also ein Spickzettel im Großformat, etwas für jede Gelegenheit? Schiller geht ja oft gut im Leben. Oft sind es gerade Ellipsen dieser Art, die nach Ergänzung verlangen und Kommunikation stiften: „Der Feind greint.“ Oder eine Anspielung am Objekt: „Der Feind ist der Beton.“ Eigentlich ist es Sachbeschädigung. Oder Verunreinigung. Eine blöde Schmiererei. Graffiti geht anders.

Eine gewisse Zeit steht die Schrift schon an der Wand. Ihr Feind sind Schwamm und Lappen. Dann ist „Der Feind“ erledigt. Kann man ihm das wünschen? In "Von Anmut und Würde" lesen wir: „Der bloß niedergeworfene Feind kann wieder aufstehen, aber der versöhnte ist wahrhaft überwunden.“

Volkmar Heuer-Strathmann