Verzauberung der Welt. Kulturgeschichte entdecken

Studienfahrt Rom: Ranzig, aber voller Potenzial

Von Linda Laholli und Kimberley Wendt

Mein Fahrprüfer meinte mal, dass alle Wege nach Rom führen. Unser Weg nach Rom begann am Sonntag um acht Uhr morgens am Mindener Bahnhof. Nach der Sicherstellung, dass auch wirklich alle Schüler anwesend sind und keiner zurückgelassen wird, hieß das nächste Ziel: Flughafen Düsseldorf. Am Flughafen angekommen und das vier Stunden vor Abflug, nach dem Motto „Man kann ja nie vorsichtig genug sein“ ließ Herr Gräber die Zeit wie im Fluge vergehen. Mit Hilfe einer „Bravo“ erhielten die Lehrer eine Art Crashkurs in Sachen Jugendslang. Trotz der tollen Unterhaltung waren mehr oder weniger alle froh, im Flieger zu sein. Unter den Fluggästen befanden sich Erstflieger, die es kaum noch abwarten konnten, endlich abzuheben, andere jedoch litten unter Flugangst und genossen die Turbulenzen nicht so wie manch anderer. Froh, heil und noch einigermaßen munter in Rom angekommen zu sein, ging es los, die Koffer an sich zu nehmen. Es stellt sich heraus, dass das doch stressiger ist, als man anzunehmen vermag. Nach einiger Zeit ohne einen Koffer in Sicht kommt eine subtile Panik in einem auf und man erwartet das Worst Case Scenario. Dabei stellt man sich so eine Frage: Was ist, wenn mein Koffer die Reise nicht überstanden hat? Wie soll ich die nächsten Tage ohne Koffer überleben? Was mache ich ohne meine Snacks? Letztendlich blieb keiner kofferlos, doch diese Erfahrung bleibt uns als eine starke emotionale Belastung in Erinnerung.

Abends sind wir dann endlich im Camping Tiber angekommenen und stürmten los, um in unsere Bungalows einziehen zu können. Camping Tiber war wohl nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Meist wohnten wir zu fünft in sehr engen Bungalows, denen eine Sanierung gut tun würde. Der enge Raum brachte uns jedoch wortwörtlich näher, als wir es je waren. Zudem führte uns das halbdefekte Türschloss des Bungalows zum Üben unserer Spanischkenntnisse, da Englisch in Italien anscheinend nicht sehr verbreitet ist. Den Tag beendeten wir mit einem gemeinsamen Essen im dortigen Restaurant. Was wurde da gegessen? Der Abend markierte den Beginn vieler Pizzen, die in den nächsten Tagen genüsslich verzehrt werden würden. Nach dem Essen wurde auch gleich das Happy Hour Angebot ausgenutzt und direkt ‚Qualitätsvino’ für sechs Euro und Mengen an Bier gekauft.

Der nächste Tag begann erneut um acht Uhr morgens. Beim vielfältigen Frühstücksbüffet, welches Camping Tiber zur Verfügung stellte, stärkten wir uns mit einem sehr ausgewogenen Frühstück: Zwei Packungen Biscotti, was wünscht man sich mehr? Der eine oder andere hätte wohl nichts gegen Nutella. Unser netter Shuttlefahrer Donato oder auch Pablo Giovanni Paolo, der Mafioso, brachten uns nach dem Frühstück sehr sicher zur Bahnstation. Sofort bemerkten wir die alten Züge, die durch zahllose Graffities verschönert worden sind und somit zum ranzigen, aber doch ganz schön coolen Flair Roms beitrugen. Nach einer etwas längeren Fahrt und einer kleinen Eispause, die netterweise von dem Geburtstagskind spendiert worden ist ( was man nicht als Volljähriger für die kleinen Kinder alles tut), machten wir uns auf den Weg zum Vatikanmuseum.

Der Vatikan war ein sehr prägendes Erlebnis. Umzingelt von Hunderten an Touristen wird man vom Strom der Menschenmenge mitgezogen, bei 30 Grad, bis man nach mehreren Stunden in der Sixtinischen Kapelle angekommen ist und dort illegale Fotos von den Wandmalereien macht. Man ist doch schließlich nicht jeden Tag im Vatikan oder?

Nach diesem Erlebnis musste erstmal etwas gegessen werden, um sich dann hochmotiviert zum Domplatz zu begeben. Auf dem Weg dorthin wurde dann noch eine Vintage Levis mitgenommen, die wie angegossen passt. Es heißt ja: Man spart, wo man kann. Am Domplatz besichtigten wir dann die erste Kirche von vielen. In der Kirche erblickten wir zum ersten Mal Nonnen, mit denen manch einer ein Foto machte und von denen manch einer beschimpft wurde, doch die Nonnen, die in ganz Rom in ihrer ästhetischen Bekleidung anzutreffen sind, bleiben uns  sehr stark in Erinnerung. Letztlich besichtigten wir den weltbekannten Trevi Brunnen, der ganz zu unserem Glück leer war. Da hätten wir wohl früher eine Münze reinwerfen sollen. Am Abend bemerkte man dann langsam, dass es etwas frisch wird. Das hielt uns aber nicht auf, wieder die Happy Hour auszunutzen. Als fast Abiturient spart man, wo man kann.

Am nächsten Tag ging es früh morgens an einen Markt, bei dem man sich kaum vor Indern retten konnte, die einem Qualitätsprodukte von Marken wie Gucci und Louis Vuitton zum absoluten Knaller Preis von bis zu fünf Euro andrehen wollten. Leider wurden dort keinerlei Balenciaga Produkte angeboten, doch wir fanden unser Studienfahrtsmaskottchen Rolf Moses Wildschwein, der im Laufe der Reise leider verloren gegangen ist. Nach dem Markt, einer Basilika und der Heiligen Treppe haben wir noch schnell unsere Hände in den Mund der Wahrheit gesteckt, es stellte sich heraus, dass wohl keiner von uns in seinem Leben gelogen hat: vorbildliche Schüler! Nach all diesen überwältigenden Sehenswürdigkeiten freuten wir uns schon auf unsere zehn Quadratmeter Bungalows während, Herr Gräber und Lea weiterhin Rom für sich entdeckten.

Am Abend beschlossen wir, ein großes gemeinsames Abendessen zu kochen, typisch Italienische Küche: Nudeln Pomodoro. Dem Chefkoch der Gruppe wurde dann von meinem Onkel und seiner Freundin geholfen, nachdem sie sich gute 15 Minuten über unsere Kochkünste und Zutaten beschwert haben. Typisch Italienisch. Das herausragende Abendessen und das römische Milieu versetzten manche von uns in eine Tiefenentspanntheit, man könnte es schon als eine Art High bezeichnen.

Das Highlight des dritten Tags war für uns die Außenfassade des Colosseum. Wenn man schon in Rom ist, dann geht man natürlich nicht in das Colosseum, man guckt es sich lieber von außen an. Nach zwei weiteren Sehenswürdigkeiten und herausragenden Vorträgen erkundeten wir die Stadt. Das Angebot Italiens ist so divers wie keins, von Second Hand Shops (in denen alles 5 Euro kostet) und Plattenläden bis hin zu den Touristenständen, die Pullover anbieten, die nicht nur einzigartig sind, sondern pro Quadratmeter im Preis variieren.

Am letzten Tag machten wir uns auf, um einen ganz wichtigen Ort, an dem wir uns Ruinen angesehen haben, zu besichtigen. Die kaputten Steine, welche überall verteilt waren, hatten so eine starke Aussagekraft, man kann schon sagen, manch einer war erschüttert. Um 17 Uhr versammelten wir uns anschließend alle im Camping Tiber und unser neuer Freund Donato fuhr uns zu einem Restaurant, um die Fahrt so zu beenden, wie wir sie begonnen haben, mit Pizza, Nudeln und Vino.

Dieser Abend bleibt uns allen besonders in Erinnerung, die Temperatur betrug um die acht Grad und unsere Pullover, die uns zu offiziellen Studenten der Universität Roms machten, kamen zum Einsatz, um sich vor dem Erfrieren zu schützen.

Freitagmorgen hieß es dann, ab nach Hause, ins warme Bett. Die Bungalows wurden mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen, doch ein Andenken nahmen manche in Form von ca. 20 juckenden Mückenstichen mit, manch einer mit einer neuen Körperverschönerung und andere mit unvergesslichen Erinnerungen. Rom erschien einem fast schon wie eine Folge der wilden Siebziger.