Eine Eisenbahnfahrt der Klasse 8.1 als Trip der besonderen Art

Kinder lernen Ordnungskräfte von der Leine voll gut kennen

Die Westfalenbahn ist nicht dafür bekannt, in Sachen Alkoholkonsum besonders nachlässig zu sein. Im Gegenteil: Wer die Strecke, die auch durch Bückeburg führt, öfter benutzt, kann schon mal erleben, dass Alkoholisierte aus dem Zug entfernt werden. Manchmal wartet schon ein Empfangskommando am Gleis. Am 26. September 2018 jedoch muss dem Zugpersonal einiges entgangen sein. Die Klasse 8.1 kann ein Trinklied davon singen.

In Osnabrück nämlich, so ist einem Beschwerdebrief der Schulleitung an die Landeshauptstadt Hannover zu entnehmen, sei eine Gruppe alkoholisierter Erwachsener zugestiegen. Ein Betriebsausflug. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Fachbereichs Öffentliche Ordnung“ der Stadt Hannover. Ordnungshüter also, im besten Sinne des Wortes. Schon länger im Zug: die Klasse 8.1 des Adolfinum und ihre Lehrerinnen Imke Röder und Silke Seifert. Was die Bückeburger erleben mussten, mag man kaum glauben und auch nicht weiterverbreiten. Nachher macht das noch Schule, von wegen „behindertes Kind“, „kleine Ratte“, „Göre“ und ähnliche Frechheiten.

Dem Alkohol habe man auch weiterhin zugesprochen. Es habe unangemessene Berührungen gegeben. Und Sitzplätze habe man auch blockiert, obwohl die Kinder der Klasse 8.1 dort vorher gesessen hatten. Die Bitte der beiden begleitenden Lehrerinnen, Rücksicht auf die Schülergruppe zu nehmen, führte dazu, dass die Damen „ignoriert, belächelt und sogar unflätig beschimpft“ worden seien. Das setzte dem bodenlosen Fass die Krone auf.

Nun ist man am Adolfinum gespannt, wie die Antwort aus Hannover ausfallen wird. Als „Lütje Lage“ des bekannten hannöverschen Humors dürfte die Sache nicht mehr durchgehen. Fehlende Vorbildlichkeit, vorsichtig ausgedrückt, wird in dem Schreiben angeprangert. Eine Einladung nach Hannover auf Kosten der Pöbelnden, nicht etwa der Steuerzahler, das wäre vielleicht zu viel des Guten. Aber ein Gutschein für einen Eisdielenbesuch in Bückeburg müsste eigentlich schon drin sein, ganz abgesehen von einer Entschuldigung, die hoffentlich nicht als Vordruck für solche Anlässe präsentiert wird.

Volkmar Heuer-Strathmann