Niedersächsische Auftaktveranstaltung zum Volkstrauertag 2018 in Bückeburg

Seminarfachkurs „Identität“ erinnert an die Gedenktafel des Adolfinum

An den „Heldengedenktag“ denkt man heute nicht mehr, wenn vom Volkstrauertag die Rede ist. Eine Erinnerungskultur im Geiste der Aufklärung setzt andere Akzente. Auch bei der Bundeswehr ist inzwischen durch einen neuen Traditionserlass ein stark veränderter Blick auf die deutsche Vergangenheit möglich geworden, wie er am Volkstrauertag schon lange Praxis ist. In diesem Jahr findet die Auftaktveranstaltung am 17. November ab 15.30 Uhr in der Stadtkirche Bückeburg statt. Die Leitung liegt in den Händen des Verbands Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK). Man darf mit prominentem Besuch - nicht nur - aus der Landeshauptstadt rechnen.

Vom Adolfinum werden Schülerinnen und Schüler aus dem Seminarfachkurs „Identität“ beteiligt sein. Im Mittelpunkt soll die Gedenktafel stehen, die seit 2015 ein gewisses "Kopfzerbrechen bereitet", so Schulleiter Michael Pavel. Seinerzeit war das für heutige Sehweisen völlig überdimensionierte Monument aus dem Jahre 1921 aus der Jägerkaserne, wo  es Jahrzehnte total unbeachtet gelagert worden war, in die Schule transportiert worden. Ursprünglich hatte die Tafel im Schulgebäude des Gymnasiums an der Ulmenallee ihren Platz.

Eine AG unter der Leitung von Sebastian Mietzner setzte sich intensiv mit der „Quelle“ auseinander. Die damalige Studienreferendarin Janine Kiesche engagierte sich ganz besonders, ebenso Jaqueline Dietzel aus dem Abiturjahrgang 2018. Das Projekt konnte jedoch leider noch nicht abgeschlossen werden. Vom Tisch war die Sache allerdings nicht. Ausgehend von der Botschaft der Tafel nahm sich ein Kunstkurs von Peter Maniocha im Schuljahr 2017/2018 der Kriegsthematik an (siehe Reproduktion).

Insgesamt 177 Namen von gefallenen Adolfinern sind auf der Tafel notiert, vorneweg mehrere Lehrkräfte.  Briefe von Kriegsteilnehmern aus Bückeburg, deren Namen auch auf der Tafel zu finden sind, zeigen den 1. Weltkrieg in ganz unterschiedlichen Farben. Die grelle Kriegsbegeisterung hält nur kurz an. Von Gott ist  durchgehend die Rede, vom ersten Schlag gegen den verhassten „Franzmann“  über den aufblitzenden Horror im Stellungskrieg bis zur dunkel getönten Kondolenz von Verwandten und Bekannten. Die Materialien werden in szenischer Lesung mit der Gedenktafel in Beziehung gesetzt. Wir arbeiten noch daran, Satz für Satz. Ein Teil der inzwischen dekonstruierten Gedenktafel wird in der Stadtkirche zu sehen sein, um auch den Gästen im Gotteshaus einen Eindruck von dem Monument zu vermitteln.

Volkmar Heuer-Strathmann