Junior Akademie 2018: „Horizonte erweitern – Grenzen verschieben!“

Vier junge Adolfinerinnen auf Forschungsreise in der HVHS Loccum

Vor Schreck erstarrte Gesichter auf der Leinwand, dieselben jungen Menschen davor in an "Top Dogs" (Urs Widmer) erinnernden Kampfszenen auf der Bühne, dumpf aufputschende Rhythmen aus den Lautsprechern  – da hielt das Publikum immer wieder den Atem an. In nur acht Tagen  war es den Akteuren gelungen, Szenen von größter Intensität einzustudieren und damit so große Themen wie Freiheit, Grenzerfahrung, Einzigartigkeit und Wahrhaftigkeit wirkmächtig zu bearbeiten. Das Publikum ließ sich anstecken und sparte nicht mit Applaus.

Unter den faszinierenden Schauspielerinnen: Klara Felski und Clara Kaiser, beide aus der Klasse 8.1 des Adolfinum. Gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Clara Brosig und Stefanie Hövermann (Klasse 10.1) besuchten sie für eine Woche die Junior Akademie 2018 in der Heimvolkshochschule Loccum, um in den Ferien an einem Projekt zur Begabtenförderung in der Region teilzunehmen. Für Stefanie war es schon der dritte Besuch. Sie entschied sich wie Clara Brosig für das Projekt „Chancen des Scheiterns – von der Alchemie zur Chemie“ und wirkte außerdem im Chor mit, der eine unmissverständliche Botschaft laut werden ließ: „Die Gedanken sind frei.“

Projektleiter Kersten Prasuhn hatte sich zu Beginn der Präsentation insbesondere an die Eltern der jungen Schüler gewandt, als er die Bitte formulierte: „Sehen Sie einmal für kurze Zeit in Ihrem Kind nicht Ihr Kind!“ Demonstrativ trat er einen Schritt zurück, lächelte verschmitzt und gestand: „Das ist nicht leicht, ich weiß. Aber es geht. Versuchen Sie es mal.“ Der Pädagoge ermutigte übrigens alle Anwesenden dazu, Rollenmuster und Routinen zu überwinden – und das in Anwesenheit von so prominenten Gästen wie MdB Marja  Liisa Völlers (SPD) und Maik Beermann (CDU). Beide hatten zuvor ihre Sympathie für das Projekt zum Ausdruck gebracht, wissen sie doch, dass eigentlich gerade Politiker eine wahrhaft „forschende Haltung“ dem Leben gegenüber einnehmen müssten. Das Reizwort "Diesel" kam Beermann nicht zufällig über die Lippen.

Neben den Theaterleuten gaben auch die Gruppen der Chemiker und der Informatiker dem Publikum eine ordentliche Portion Hausaufgaben mit auf den Weg. Pseudowissenschaftlichkeit  wurde ebenso  angeprangert wie Heilslehren ohne Validität. Digitalisierung verlor etwas von ihrem Zauber, geschieht all das Tippen, Wischen und Klicken doch von Menschenhand – im Sinne der Veranstalter und der Coaches möglichst mit viel Herz und nicht ohne Verstand. Vorher noch ein wenig angespannt, sah man am Ende nur glückliche junge Gesichter, fast wie im Urlaub, und das bei intensiver Bildungsarbeit mit Menschen, die vor ein paar Tagen noch völlig fremd waren.  

Volkmar Heuer-Strathmann