Eine spannende Odyssee nach Griechenland

Seminarfachkurs „Identität“ auf den Spuren der Antike

Von Sophie Winterlich und Lara Zerner

Sonntagmorgen. 6:30 Uhr. 8°C. Vor dem Adolfinum wandeln dunkle Gestalten umher. Das Geräusch der rollenden Koffer durchbricht die Stille der Nacht. Doch dies ist nicht der Beginn eines Horrorfilms, sondern unserer Studienfahrt nach Griechenland.

Gemeinsam mit unserem Seminarfachlehrer Herrn Heuer-Strathmann und Frau Kastning als Begleitung machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zum Flughafen Berlin-Schönefeld. Von dort aus ging es für uns 27 Adolfiner nach Athen. Dort wurden wir wärmstens empfangen – sowohl von der lauen Mittelmeerluft als auch von unserem Busfahrer, der uns dann zu unserem Hotel in Delphi brachte. Nach der ersten Begutachtung der Zimmer trafen wir uns zu einem gemeinsamen Abendessen in einer Taverne ganz in der Nähe. Ungewohnt laut schallte uns griechische Banjo- und Gitarrenmusik entgegen, die uns die ganze Studienfahrt über begleiten sollte. An unserem ersten Abend bekamen wir direkt ein für Griechenland typisches Gericht serviert – Kritharaki mit Fleisch und zum Nachtisch leckeren griechischen Joghurt mit Honig. Der restliche Abend konnte ganz nach Belieben verbracht werden, soweit es das beschauliche Nachtleben von Delphi zuließ.

Am nächsten Morgen genossen wir bei einem fantastischen Ausblick unser Frühstück im Hotel. Mehr oder weniger gut ausgeruht starteten wir zu Fuß unsere Reise zum Mittelpunkt der Erde. Doch hierbei ging es nicht um Jules Vernes Roman, sondern um die griechische Mythologie, die von den ersten Referenten dieser Fahrt thematisiert wurde. Laut einer Sage ließ Zeus zur Bestimmung des Erdmittelpunkts zwei Adler von den Enden der Welt losfliegen, die sich im heutigen Delphi trafen und diesen Ort zum „Nabel“ der Welt machten. Doch viel berühmter ist Delphi für sein Orakel, dem wir auch einen Besuch abstatteten. Da gerade keine Wahrsager zur Stelle waren, musste die Referentengruppe mit ihren Fähigkeiten aushelfen. Wird es auf der Reise noch regnen? Auf jeden Fall. Werden die Betten im nächsten Hotel besser sein? Bestimmt. Werden alle das Abitur schaffen? Sicherlich. (Ob es sich bewahrheitet, wird sich nächstes Jahr herausstellen.) Für mehr Wissen über den historischen Hintergrund des Ortes Delphi sorgte ein Museum vor Ort. Am frühen Nachmittag verließen wir dann Delphi und machten uns auf den Weg zum nächsten Reiseziel: Kalambaka.

Als Allererstes haben wir den Pool auf dem Dach des Hotels getestet. Doch bekanntlich kommt die Arbeit ja vor dem Vergnügen, deshalb sahen wir zunächst ein Rollenspiel über die deutsch-griechischen Beziehungen und anschließend wurde uns die griechische Identität interaktiv nähergebracht – unter anderem durch eine kleine Sirtaki-Tanzstunde, die einigen später noch zu Gute kommen sollte. Nach der Erfrischung im Pool und dem Abendessen erkundeten wir die kleine Innenstadt.

Der Dienstag begann mit einer (nur fast) „tödlichen Mission“. Das Ziel: die Meteora-Klöster in ca. 500m Höhe. Der einzige Weg dorthin: Serpentinenstraßen am Felsen entlang. Transportmittel: Reisebus. Unser Busfahrer nahm diese Mission gelassen. Wir weniger. Nichtsdestotrotz kamen wir sicher bei den Klöstern an – ganz ohne James Bond. Dafür wurden wir mit einzigartigen Ausblicken belohnt, für die sich jeder Weg lohnt. Noch heute sind sechs von den 24 Klöstern bewohnt und zu besichtigen. 143 Treppenstufen führten uns hinauf zum Kloster Metamorphosis, wo die Mädchen und Frau Kastning am Eingang der Kleiderordnung gemäß mit Röcken ausgestattet wurden. Ein weiteres Referat informierte über die Geschichte der Klöster. Nach individueller Erkundung dieses Klosters folgte eine weitere lange Busfahrt, diesmal ging es in die Hauptstadt.

In Athen angekommen, bezogen wir unsere Zimmer und suchten uns unseren Weg in die Innenstadt. Für uns Kleinstadtbürger war der rege Verkehr auf den Straßen Athens zuerst ungewohnt und unübersichtlich, aber unser Ziel erreichten wir trotzdem – mittlerweile ganz schön hungrig. In einem gemütlichen kleinen Restaurant gab es leckeres Gyros – wie könnte es anders sein – und andere Köstlichkeiten.

Mittwoch wurden wir im Hotel von einer sehr netten Reiseführerin abgeholt, die uns durch die Stadt führte und unterwegs mit großer Begeisterung von der Geschichte Athens erzählte. Zu den besichtigten Orten gehörte der Areopag mit Panorama-Blick über die Stadt und natürlich die Akropolis. Vom Winde verweht staunten wir über die großartigen Bauwerke der Antike, die zurecht von manchen als „achtes Weltwunder“ bezeichnet werden. Später konnten wir in Kleingruppen unsere Freizeit verbringen. Am Abend fuhren wir mit einer größeren Gruppe zum Hafen von Piräus. Auf der U-Bahn-Fahrt dorthin lernten wir auch die Schattenseiten der Großstadt kennen, „ganz persönlich, hautnah sozusagen“. Taschendiebe gibt es leider überall. In Piräus suchten wir vergeblich nach einer passenden Gaststätte, deshalb kehrten wir in einem netten Restaurant in der Athener Innenstadt ein. Leckeres Essen, gute Musik und das schöne Ambiente sorgten für eine entspannte Atmosphäre. Der Abend nahm eine interessante Wendung, als einige Adolfiner beschlossen, sich den Profitänzern anzuschließen und die gelernten Sirtaki-Tanzschritte einmal auszuprobieren. Alles in allem ein gelungener Abend!

Am Donnerstag gingen wir der Geschichte Athens und Griechenlands genauer auf den Grund, und zwar im Akropolis-Museum. Weitere Darbietungen aus unserem Kurs gewährten Einblicke in die Anfänge der Demokratie und die sokratische Philosophie. Später erfuhren wir noch etwas über die griechische Finanzkrise und die aktuelle Flüchtlingssituation in Griechenland. Applaus war nicht nur aus den eigenen Reihen zu hören – auch seitens einiger Passanten war Interesse zu entdecken. Der Nachmittag wurde wieder individuell gestaltet, also in Kleingruppen. An unserem letzten Abend wurde die Gruppe netterweise von unserem Kursleiter zu Tisch gebeten. Ein echter „griechischer Abend“ mit allem was dazugehört: Brot mit Tzatziki, griechischer Salat, Fleischteller, heitere Musik und ausgelassene Stimmung.

Das Orakel hatte Recht: Am letzten Tag regnete es in Strömen. Für gute Stimmung wurde trotzdem gesorgt. In der Hotellobby bilden sich Spielkreise. Trotz allem war eine unterschwellige Anspannung zu spüren. Würde unser Flieger wie geplant da sein? Streikankündigungen von Ryanair ließen daran leichte Zweifel aufkommen. Dann der Anruf. Als sich Herr Heuer-Strathmanns Handy meldete, verfielen alle in Schockstarre. Unser Flug wird doch nicht ausfallen? Sorgenfalten, beunruhigte Blicke, aufgeregtes Gemurmel. Doch dann gab es Entwarnung. Es war kein Anruf von der Reisegesellschaft, alle konnten sich wieder entspannen. Am frühen Nachmittag wurden die Spielrunden aufgelöst und der Bus brachte uns zum Flughafen. Auch der Rückflug verlief reibungslos, genau wie die Fahrt zurück nach Bückeburg. Wieder sah man die dunklen Gestalten mit Koffern auf dem Schulgelände herumlaufen, diesmal jedoch um einige Erfahrungen reicher (und noch wesentlich müder als am Sonntag).

Alles in allem war es eine sehr schöne und lehrreiche Studienfahrt, von der sicherlich jeder profitieren konnte. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal im Namen des Kurses bei Herrn Heuer-Strathmann und Frau Kastning bedanken, die die ganze Fahrt organisiert und geleitet haben und dabei immer ihren Humor behalten haben. Wir werden uns noch lange an diese Reise erinnern!