Eine Studienfahrt im Zeichen von Streikankündigungen 

Seminarfachkurs „Identität“ unterwegs in Griechenland

Es regnet. Es ist Abreisetag. An einigen Tischen im Foyer des Hotels „Oscar“ wird gespielt. „Stadt, Land, Fluss“ gilt es zu nennen. Mein Handy meldet sich. Ich gehe einige Schritte zur Seite, um ungestört telefonieren zu können. Interessierte Blicke folgen mir, das spürt man. Es wird interpretiert. Sorgenfalten sind zu sehen. Auch Fragezeichen in den Gesichtern. Sollte da etwa jene Sachbearbeiterin aus Dresden namens Schmidt am Apparat sein, um uns gegen Mittag mitzuteilen, dass es irgendwelche missliebigen Planänderungen geben wird? Sollten die Folgen des Streiks bei „Raynair“ uns also tatsächlich doch noch ereilen?

Fehlanzeige. Der Anruf hatte rein privaten Charakter. Von Frau Schmidt kein Mucks: Aufgehellte Mienen. Erleichterung. Die Studienfahrt nach Griechenland, durch die wir vermutlich alle unseren Horizont erweitern konnten, wurde fast planmäßig beendet: Zwanzig Minuten zu früh, das kann schon mal vorkommen. Erleichterte Eltern. Ein wenig übermüdete Reisende. Gute-Nacht-Stimmung und ein paar Worte des Dankes.

Was von Schülerseite in Sachen “Athen-Fahrt“ notiert werden wird – für die Homepage oder im Abi-Magazin 2019, bleibt abzuwarten. Unterwegs im Lande eines Sokrates und anderer Verfechter einer Philosophie der aufgeklärten Mündigkeit wäre es schlechter Stil, hier für die Zöglinge das Wort zu ergreifen, ganz unabhängig von Stilmitteln, Spitzen und Späßen.

Zum Abwechslungsreichtum nur so viel: Als wir ankamen, schlug uns auf dem Flughafen ein herrlich warmer Wind entgegen. Ideal für unsere Fahrt nach Delphi und Kalambaka. Als wir abfuhren, stürmte es. Ein Temperatursturz hatte nicht nur Athen und Umgebung erfasst. Eine Reisegruppe aus Bückeburg mit Klaus Suchland an der Spitze, auf die wir ganz plötzlich im Akropolis Museum stießen, hatte sogar ihre Reiseroute ändern müssen. Das blieb uns erspart. Dafür lernten wir  Diebe kennen, ganz persönlich, hautnah sozusagen. Unsympathische Gesellen. Am Ende aber erfüllte sich die Weissagung des Orakels von Delphi: „Ihr werdet zur rechten Zeit heimkehren.“

Volkmar Heuer-Strathmann