Von den Auswirkungen der Sozialen Medien auf die Demokratie

Der Politologe Werner J. Patzelt referierte im Bückeburger Rathaus

Von Anne Beier & Roni Cheikhi, RIE & vhs

Die Konrad Adenauer Stiftung hatte ins Rathaus eingeladen. MdB Maik Beermann (CDU) führte in das „Mittagsgespräch“ mit dem Thema „Verändern die sozialen Medien unsere Demokratie?“ ein. Die Klasse 11.5 war auch dabei. Abiturienten, für die das Wählerverhalten im Abitur 2019 Pflichtthema ist, suchte man vergeblich. Der Termin hätte schlechter kaum sein können, hieß es  aus Lehrermund ("High Noon"). Beermann, in der CDU/CSU-Fraktion in Berlin auch für Digitales jeder Art zuständig, machte anhand einiger Beispiele klar, dass Soziale Medien wie Facebook, Twitter etc.  jetzt schon ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Demokratie sind. Das hat nicht nur positive, sondern auch einige negative Folgen, wie z. B. die Beeinflussung durch „Fake News“ oder sogenannte „Bots“.    

Als Experte für Parteienentwicklung und Wählerverhalten war Prof. Dr. Werner J. Patzelt (TU Dresden) eingeladen. Er hob hervor, durch das Internet und die Sozialen Medien habe jeder Zugriff auf die öffentliche Kommunikation und könne somit die Demokratie ein Stück weit beeinflussen. Patzelt erläuterte, dass die Demokratie auf die Kommunikation angewiesen ist. Damit ist nicht das verbreitete Kommentieren als Reaktion auf ein Post gemeint oder gar das Auslösen eines „Shitstorms“. Vielmehr brauche eine repräsentative Demokratie wie in der BRD vor allem eine „reale Kommunikation“. Die Politik muss erstmal die unterschiedlichen Interessen in der Bevölkerung kennen und sich drauf einlassen.   

In „Repräsentationslücken“ können, so Patzelt, sogenannte Populisten besonders erfolgreich wirken. Diese Lücken entstünden, wenn sich bestimmte Teile der Bevölkerung nicht mehr von „der“ Politik vertreten fühlen. Wissenslücken und perspektivische Verengungen seien ebenfalls wichtig, damit die Angebote der Populisten ihre Wirkung entfalten. Algorithmen verstärken Vorgefiltertes. Andere Meinungen werden nicht mehr akzeptiert und als falsch abgestempelt. Die Gesellschafft wirkt gespalten, Kommunikation wird immer schwieriger. Die zu lange unterschätzte AfD habe hier ihr Wirkungsfeld. 

Patzelt hält es für besonders wichtig, dass das Internet als „realer Raum“ angesehen wird, auch wenn von virtueller Realität die Rede ist. Verhalten hat Folgen, faktisch. Fairness wird wichtig. Mit neuen Gesetzen werde versucht, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Der Professor plädiert für aktive Teilnahme in den Netzwerken, aber mit Verstand und der gebotenen Zurückhaltung. Auf Nachfrage wies der Wissenschaftler, zu dessen Forschungsschwerpunkten auch die Bewegung PEGIDA gehört, darauf hin, dass Lehrkräfte ihren Schülern vermitteln sollten, dass es „Wirklichkeit gibt“. Alle Phänomene der Medienwelt müssen in „Multiperspektivität“ betrachtet werden. Und als etwas Erzeugtes. Dass das Internet dabei also selbst zum Thema des Unterrichts wird, versteht sich. Schülerinnen und Schülern sollte bewusst gemacht werden, wie selektiv die eigene Wahrnehmung ist und welche Beeinflussungen von den Sozialen Medien ausgehen. Selbst Einfluss nehmen kann der User oder Follower aber eben auch.