Wenn aus der Fürsorgepflicht des Dienstherrn konkrete Erhebungsmaßnahmen werden

„Beteiligungsgestützte und umsetzungsorientierte Gefährdungsbeurteilung in Schulen“

Beim Wort Arbeitsschutz wird mancher an Schutzhelme, Sicherheitsschuhe und hässliche Brillen denken. Klare Vorschriften sollen dazu beitragen, dass kein Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz Schaden  nimmt. In einer Schule stehen andere Gefahren als auf einer Großbaustelle im Vordergrund - und andere Schäden. Man erhebt seit ein paar Jahren die psychosoziale Belastung, um gegebenenfalls Veränderungen einzuleiten.

Anlass zur Sorge gibt es landauf landab – und damit auch zur Fürsorge: Die relativ niedrige Zahl derer, die die gesetzliche Altersgrenze im aktiven Dienst erreichen, die relativ hohe Zahl langfristiger Erkrankungen, Suchterkrankungen inbegriffen. Von Risikomustern ist die Rede, die bei Lehrerinnen und Lehrern besonders ausgeprägt sind, vermutlich auch durch mangelnde Selbstfürsorge.   

Britt Tönjes von Platen und Carsten Schwier-Hermann von der Landesschulbehörde Niedersachsen referierten vor dem Kollegium des Adolfinum über die verschiedenen Möglichkeiten, die verpflichtende Erhebung durchzuführen. Am Ende entschied sich eine schier überwältigende Mehrheit für die auch von den Experten favorisierte „Beteiligungsgestützte und umsetzungsorientierte Gefährdungsbeurteilung in Schulen“ (BUGIS).

Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich eine strukturierte skalierte Befragungsmethode, bei der am Ende die Entscheidungen „im Hause bleiben“. Das Kollegium erhält Unterstützung, um ein Belastungsprofil zu erstellen. Es geht dabei um das „System Schule“, nicht um Leid und Freud des Einzelnen und individuelle Konsequenzen. Anonymität soll Offenheit fördern. Die Aspekte reichen von der Belastung durch äußere Faktoren wie Hitze, Enge und Lärm über schulische Gegebenheiten, also die Ausstattung, das Kerngeschäft Unterricht bis zum kollegialen Miteinander im Schulalltag. Wertschätzung dürfte ein Schlüsselwort werden.

Volkmar Heuer-Strathmann