Bei der Landratswahl können viele Adolfiner zum ersten Mal wählen

Debatte im 11. Jahrgang über eine Personenwahl ohne Alternative

„Drei Vorschläge sollten wir schon haben. Sonst ist es keine echte demokratische Wahl“, sagt ein Schüler. Im Gespräch einigt man sich, dass auch zwei Kandidaten und zwei Kandidatinnen gewisse Wahlmöglichkeiten bieten, wenn es um den Klassensprecher und die Klassensprecherin geht. „Mehr wäre natürlich besser, mehr Richtungen, unterschiedliche Persönlichkeiten“, das findet keinen Widerspruch. Schließlich sind es auch jeweils drei, es kann ausgewählt werden beim Wählen.

Was aber, wenn der Landrat des Landkreises Schaumburg gewählt wird, seines Zeichens kommunaler Wahlbeamter auf Zeit, und auf dem Wahlzettel nur ein einziger Name steht? Das ist am 9. September 2018 der Fall: Allein der Amtsinhaber Jörg Farr (SPD) steht zur Wahl. Als Erläuterung heißt es auf dem Wahlzettel: „Sie haben eine  ‚Ja-Stimme‘ oder eine ‚Nein-Stimme“. Ein „und“ könnte reichlich Verwirrung stiften.

Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler in der Klasse 11.4 ist bei dieser Kommunalwahl wahlberechtigt. Es ist das erste Mal. Inzwischen haben sie auch etwas über die Zuständigkeiten eines Landrates gelernt, verknüpft mit dem Wirkungsbereich des Kreistages. Obwohl es keine Alternative gibt, ist nicht von fehlender Demokratie die Rede. „Er könnte die absolute Mehrheit rein theoretisch auch verfehlen“, heißt es. „Die anderen Parteien hätten Gegenkandidaten aufstellen können“, wird zu bedenken gegeben. „Wahrscheinlich ist er so gut“, wird spekuliert. In der Tat hat die CDU bei dieser Wahl mal auf einen Zählkandidaten verzichtet. Dass eine echte Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten und Kandidatinnen besser wäre, scheint in der 11.4 unumstritten.

Wie viele von den dann 16-jährigen Schaumburgern aus dem ganzen 11. Jahrgang, ja aus dem ganzen Adolfinum, die die deutsche Staatsbürgerschaft oder die eines anderen EU-Staates haben, am 9.  September 2018 zur Wahl gehen, wird sich zeigen. Es ist eine persönliche Entscheidung und kein Unterrichtsthema. Nicht zu wählen, ist auch eine Meinungsäußerung, allerdings eine umstrittene – bei anderen Wahlen noch mehr als bei dieser Personenwahl, durch die u. a. über die Leitung einer Behörde, in deren Zuständigkeit auch das Adolfinum fällt, entschieden wird.  

Volkmar Heuer-Strathmann