Das Leben geht weiter – auch ohne die Allgemeine Hochschulreife

Nachwuchsjournalistin Sofia Menninger schreibt über ein Tabuthema  

Dass in der Lokalzeitung zu lesen ist, wer das beste Abiturergebnis erreicht hat, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Auch die Zahl der Absolventen, die mit Stolz auf eine kleine „1“ vor dem Komma schauen, wird nicht selten publik. Dass aber die Öffentlichkeit erfährt, wer das Abitur nicht bestanden hat, dürfte immer noch die Ausnahme sein.

Sofia Menninger hat sich mit Esteban Auge, Melina Kirsch und Jesse Baraczewski getroffen. Der jungen Nachwuchsjournalistin (SZ/LZ), die selbst eben erst die Reifeprüfung am Adolfinum mit einem schönen Ergebnis bestanden hat („Ich bin total zufrieden!“), als Frau der Feder natürlich mit Politik-Wirtschaft und Deutsch als Leistungsfächern, gelingt es, mit den drei ehemaligen "erfolglosen" Mitschülern offene  Gespräche zu führen, die  auch für zukünftige Kursstufenschüler von Bedeutung sein dürften. Die Frage der Fachhochschulreife wird dabei ausgeklammert.     

Von ganz entscheidender Bedeutung scheint demnach die Wahl der Prüfungsfächer zu sein. Die Weichen werden also sehr früh gestellt. Wählbarkeit eines Faches hängt von bestimmten Voraussetzungen ab. Beratung und Benotung rücken in den Vordergrund, spätestens mit Erreichen des letzten Jahres vor der Qualifikationsphase. Für G9 ist das ab 9. August 2018 der Fall. Abitur 2021 wirft sein Licht voraus. Was zu tun wäre, wenn sich die Probleme durch konsequente Benotung im Sinne der Abiturkriterien einschließlich evtl. Punktabzüge früh offenbaren, wissen die Jahrgangsleiter vermutlich am besten.  

Die drei ehemaligen Adolfiner haben keinesfalls aufgegeben. Esteban will es erneut am WBG in Stadthagen versuchen. Jessi wird erst einmal Bundesfreiwilligendienstleistender am Adolfinum. Und Melina zieht es nach Boston, um dort in einer Familie ihre Erfahrungen zu erweitern. Hinterher soll das Fach „Soziale Arbeit“ studiert werden. Dass alle drei auf einfache Schuldzuweisungen verzichten, zeugt auch von Reife.

Volkmar Heuer-Strathmann