Ehemalige Adolfinerin auf den Spuren eines afrikanischen Künstlers

Gwen May setzt den „Dialog zwischen Europa und Afrika“ fort

„Der Kreativität freien Lauf lassen!“ Mit diesem Motto hat Siegfried Jordan Hittu aus Tansania die Adolfiner, die 2014 an dem von der Ev.-Luth. Landeskirche veranstalteten Kunstworkshop „Europa im Dialog mit Afrika“ teilnahmen, ermuntert und ermutigt. Gwen May, damals noch im 10. Jahrgang, hat sich nun gemeinsam mit ihrem Freund auf den Weg nach Afrika gemacht, um den Künstler in seinem Heimatland zu besuchen.

Hittu hat sich in der Kreisstadt Masasi einen alten Turm als Atelier eingerichtet. Die Atmosphäre wirkt auf die Gäste aus Deutschland inspirierend, doch an größere Werke ist hier nicht zu denken. Um mehr Platz zur Verfügung zu haben und in ein paar Jahren auch in Afrika Workshops anbieten zu können, soll ein Neubau entstehen. Der Anfang ist gemacht. Hittu ist nämlich gelernter Maurer und kann selbst zu Werke gehen.

Anders als noch in Deutschland vermutet, nimmt die Kunst in Hittus Leben zurzeit nicht den entscheidenden Raum ein. Einnahmen auf dem Kunstmarkt Europa haben es ihm möglich gemacht, Wohnraum zu schaffen, der nun vermietet wird. Das will organisiert sein. So erlebt die junge Osnabrücker Lehramtsstudentin ihren Gastgeber nicht eben selten am Smartphone. „Das hätte ich nie gedacht“, sagt Gwen May. Die Reise durch das Land aber weckte echte Begeisterung, schon durch die von Menschen kaum berührte Tier- und Pflanzenwelt.  

Da verwundert es die Gäste ein wenig, dass  das Umweltbewusstsein in Tansania noch nicht weiter entwickelt ist. „Eine Müllabfuhr gibt es nicht“, berichtet May. Man habe halt andere Sorgen in einem Entwicklungsland als Mülltrennung und Wiederverwertung – zumindest auf kurze Sicht. Das Leben der Einheimischen will die Touristin aber auch „nicht auf Leid und Elend reduziert wissen“. Familie wird großgeschrieben, also wirklich gelebt. Und dass die jüngste Tochter in einen  Privatkindergarten geht, macht die Eltern stolz. Hittus Frau ist als Krankenschwester tätig, so hat man mehrere bescheidene Einkünfte. Dass alle Kinder zu Hause mithelfen, ist selbstverständlich.

Gwen May ist froh, ihren 2014 noch recht vagen Plan einer Reise zu „Siggi“ realisiert zu haben. Und sie weiß, dass ihre eigenen privaten kreativen Arbeiten in einem  ganz anderen Licht zu sehen sind. Das Expressive sei entscheidend, frei und ohne Auftrag. Für Hittu zählt auch, was jemand zahlt – etwa für die Bemalung eines Kirchenraumes in dem Städtchen Kilwa an der Ostküste. Die nicht eben seltenen christlichen Gotteshäuser sind auch Zeugen der Kolonialzeit, Stichwort „Deutsch-Ostafrika“.

Der interkulturelle Dialog soll fortgesetzt werden, sogar eine Arbeit in Tansania als Lehrerin mit den Fächern Deutsch und Sport kommt für Gwen May in Betracht, allerdings nur für begrenzte Zeit: „Ich will nicht ewig darüber nachdenken, wo welche Gefahr lauert.“ Es geht dabei nicht um Kriminalität oder politisch motivierte Anschläge in diesem religiös recht heterogenen Land. Gemeint ist das Lebensnotwendige, gemeint ist nichts Geringeres als verträgliches Wasser und relativ saubere Luft.

Volkmar Heuer-Strathmann