Freilichtbühne Porta weiß mit „Aschenbrödel“ zu gefallen

Ein Familienstück von Standesdünkel und Liebestriumph

Die Story ist nicht ganz unbekannt: Eine herzlose Stiefmutter, die Stieftochter gedemütigt und geknechtet, die leibliche Tochter bevorzugt und herausgeputzt, auf dass der Richtige anbeißt, am besten ein Goldfisch von Adel. Regisseur Marco Knille setzt in seiner Musical-Inszenierung des Filmmärchenstoffs „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ auf eindrucksvolle Bilder im Großformat, feinsinnige Komik und gefühlvollen Gesang. An Tanz dürfte es gerne noch etwas mehr sein.  

Mit Holger Pape und Bianca Krumme hat man eine Art mittelalterliches Moderatorenteam, sie mit tölpelhaft-gelungener Pantomime, er als spitzbübischer Barde. Das kommt gleich zu Beginn gut an, auch bei den vielen Kindern im Freilichttheater. Die Zuschauer erleben ein großartiges Kostümfest bei den einfachen, „bildungsfern“ genannten Leuten in ihren Bauernkleidern mit all den Gerätschaften und bei Hofe, wenn Maskenball auf dem Programm steht. Da ist Hochglanz gefordert, Ausschnitt und Spitze, Blendwerk eben, ein durchweg verlogenes Leben.    

Der junge Prinz, äußerst sensibel dargeboten von Justus Mackenbrock, wird mit allen Mitteln der Kunst umworben. Besonders ins Zeug legen sich Stiefmutter (Katja Mehwald) und Tochter Dorchen (Theresa Guth). Doch da ist ja auch noch das Aschenbrödel, die Reine, die Gute, die schnell zur Prinzessin der Herzen wird und am Ende triumphiert über die Niedertracht. Tabea Schur spielt die Rolle facettenreich, sie hat ihren Kopf, zuallererst übrigens zum Denken. Da tendiert das Stück ganz dezent ins Moderne, unabhängig von den Märchenmotiven und den Zauberkräften.

Dem ganzen halbseidenen Königshaus (nicht ohne Selbstironie: Jochen Lewin und Bianca Müller) mit seinen stummen Waffenknechten, eilfertigen Laufburschen und zwei Warmduschern vom Feinsten (Daniel Meier und Sven Hering) scheint eine neue Zeit bevorzustehen. Schluss mit Zwangsehe, Intrige und Kuppelei im Abendland! Womöglich werden mit dem Standesdünkel die Stände gleich miterledigt. Die Utopie einer Gemeinschaft aus Herzensneigung klingt an, kaum mehr als einen rechten „Vogelschiss“ entfernt vom Kaiserdenkmal.           

Noch ist es nicht soweit. Noch muss sich ein Kind als Zugtier quälen. Leo Pape ist nicht der einzige Akteur vom Gymnasium Adolfinum. Viel Beifall bekamen die flatternden Tauben, das gurrende Federvieh solidarischer Friedfertigkeit. Mächtig Eindruck machten diese Akteurinnen auch als Wald und als derbes Gesindel, wenn sie beherzt loslegen wie ein Weiberchor (musikalische Leitung: Karolin Bornemeier) oder wie blödes Vieh in die primitive Behausung gescheucht wurden. All die vielen Akteure dieser Laienspielgruppe zeigten große Spielfreude und eine erfreuliche Textsicherheit. Als Lohn gab es am Ende rauschenden Beifall, der vielen Helfer im Vorfeld und im Hintergrund eingedenk.

Die Termine der weiteren Aufführungen sind der Homepage der Freilichtbühne Porta zu entnehmen. Am 17. Juni 2018 feiert man von 11 bis 16 Uhr auf dem Märchengelände das 90-jährige Bestehen. Der Eintritt ist frei.

Volkmar Heuer-Strathmann

p.s. Adolfiner im Ensemble: Leo Pape, Geena Feldkötter und Han Sonnet (Abitur 2017), außerdem Miriam Barbi (Abgang nach Minden 2016)