Fahrradstandleitkultur – eine leidige Herausforderung für Radfahrer

Wie die Klasse 5.4 sich auf den Weg machte, um Vorbild zu sein…   

Schülervollversammlung 2018. Gelegenheit zur Aussprache, zum Disput. Das Schülersprecherteam hat die Leitung. Jeder kann sich melden, jeder darf etwas sagen. Zensiert wird nicht. Das Mikrofon ist schnell dort, wo es verlangt wird. Die Demokratie des Marktplatzes, ein Hauch von Athen. Herrlich.

Irgendwann jedoch fällt der Satz, irgendwann werden „die Kleinen“ an den Pranger gestellt. Die, die zurzeit leider gar nicht dabei sind. Die sich nicht verteidigen können. Von wegen Fahrradständer und Fahrradstände! Von wegen Ordnung. Chaos! Dreistigkeit! Tyrannis! Applaus brandet auf. Da hat einer der Älteren die Stimmung der anderen Älteren getroffen, den Nerv sozusagen. Die Kleinen sind schuld. Basta.  

Das durfte nicht das letzte Wort bleiben in Sachen Fahrradstandkultur. Eben noch auf dem Parcours mit den Geschicklichkeitsübungen des ADAC-Wettbewerbs befasst, machte sich Wochen nach dem Fall von Radfahrerpopulismus eine Gruppe munterer Radler aus  der Klasse 5.4 auf den Weg zu den Fahrradständen, um zunächst zu zeigen, wie nur ein Trottel mit den Fahrradständern umgehen kann. Man hatte den Eindruck, hier würden ältere Schüler imitiert. Leute, die einfach mehrere Plätze belegen. Tolldreist! Ätzend! Respektverletzend!

Natürlich wurde die Aktion gefilmt. Auch das Happy End: Andere Zöglinge aus der 5.4 wiesen den üblen Gestalten den Weg der Tugend: hübsch aufgereiht die Räder, gut beabstandet zu beiden Seiten, so soll es sein. Leitplankenkultur ohne Leitplanken! Wann der Film von kaum mehr als zwei Minuten Dramatik ein Publikum findet, wird sich zeigen. Irgendwann ist ja wieder Vollversammlung.

Volkmar Heuer-Strathmann