Ausstellung zur Bücherverbrennung in der Stadtbücherei eröffnet

Lehrkräfte lesen kurze Auszüge aus „verbrannten Werken“ vor

Bibliotheken, Büchereien und Buchhandlungen bekamen gleich zu Beginn der NS-Herrschaft, zu spüren, woher der Wind weht. Die Nazis hatten schließlich schon vor 1933 kein Geheimnis daraus gemacht, wie sie sich eine völkische Kulturpolitik vorstellten. Nun sollten Taten folgen. Sichtbarster Ausdruck war sicherlich die „Aktion wider den undeutschen Geist“, die in der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 gipfelte.

In Hannover erinnert man am Maschsee unweit des Tatorts mit Schaumaterial an die Ereignisse. Bückeburg gehörte nicht zu den Schwerpunkten, man setzte primär auf Universitätsmilieu. Und Professoren waren vorneweg mit dabei, etwa in Göttingen.  Unerforscht ist bis heute, so Büchereileiterin Kathrin Bormann, ob man auch in der ehemaligen Residenzstadt an die Regale ging und  unliebsame Autoren wie die Brüder Mann, Erich Kästner oder Kurt Tucholsky aussortierte, ohne gleich Feuer zu machen.  

An Beispielen zeigt nun eine Ausstellung in der Stadtbücherei, welche Autoren und welche Art Literatur der Aktion zum Opfer fielen. Anlass ist die 85. Wiederkehr. Die Vorarbeiten für die Ausstellung haben die Adolfinerinnen Maike Brockmann, Louisa Wiewel und Vanessa Schrader geleistet. Bibliotheksmitarbeiterin Renate Engelmann ergänzte noch ein paar Materialien. Sie fand auch Belege, die zeigen, dass  es Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe war, der als Adjutant von Joseph Goebbels dafür sorgte, dass der Propagandaminister selbst um Mitternacht in Berlin zu  der Menge sprach, um sie noch mehr aufzuputschen. Die Rede ist als abschreckendes Beispiel für Demagogie in zahllose Schulbücher eingegangen, als Alternative für Deutschlands Politiker kommt diese Art geistiger Brandstiftung sicher nicht in Frage.

Am 29 Mai wird es ab 18 Uhr in der Stadtbücherei eine Lesung aus „verbrannten Werken“ geben. Schulleiter Michael Pavel, seine Vertreterin Cornelia Kastning, Renate Engelmann und sechs weitere Lehrkräfte des Adolfinum wollen Interesse wecken für Texte, die ahnen lassen, was die Nazis so fürchteten oder verachteten. Soldatentum, Mutterrolle, Repressionsapparat, jüdische Kultur heißen die Stichworte. Kleine Kostproben aus Werken von Mascha Kaleko, Franz Kafka, Irmgard Keun und anderen Schriftstellern werden zu hören sein. Jonas Lenz sorgt am Saxophon für eine musikalische Einstimmung. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei zugänglich. 

Volkmar Heuer-Strathmann