Erste Erfolge auf dem Weg zur totalen atomaren Abrüstung

Adolfiner als politiusche Akteure auf der „didacta“ in Hannover

In Mali sind bei einem Einsatz von „Blauhelm“-Soldaten der UN gegen Al Qaida 300 Tuareg ums Leben gekommen. Das darf nicht folgenlos bleiben. Man schreibt das zweite „POLIS“-Jahr. Die Szene spielt auf dem Stand der Bundeswehr bei der Bildungsmesse „didacta“ auf dem Messegelände in Hannover. Die Akteure sind 30 Schüler des 11. Jahrgangs vom Gymnasium Adolfinum. Die meisten haben Politik-Wirtschaft als Prüfungsfach gewählt. Also stehen Fragen der internationalen Sicherheitspolitik erst in einem halben Jahr auf der Tagesordnung. Dennoch war es für Björn Hasselmann keine Schwierigkeit, genug Freiwillige zu finden, die drei Tage lang – und damit auch am schulfreien Samstag – in einem offenen Tagungsbereich unter der Leitung von Jugendoffizieren ein Stück Wirklichkeit simulieren und nach Konfliktlösungen suchen.

Die beiden UN-Generalsekretäre Michel Kümmel und Jannik Stratmann machen eine schwierigen Job. In der Vollversammlung prallen die unterschiedlichen Positionen aufeinander, auch im Hinblick auf den Lebensstandard, die Müllproblematik und die Verwirklichung der Menschenrechte. NGO-Vertreter haben dabei weitaus mehr mitzureden als in Wirklichkeit, die Weltbank eher weniger. Besonderes Misstrauen besteht gegenüber Russland, das bekommt Regierungschef Julius Abel deutlich zu spüren. Das mag auch daran liegen, dass Chinesinnen wie Leonie Hoffmann mit verdeckten Karten spielen, auch im Hinblick auf Afrika, und EU-Chef Joshua Großkelwing noch nicht die neue EU-Marschroute eines Emanuel Macron einschlägt. Und was die Region „Arabien“ anbelangt, scheint eine Simulation schier unmöglich angesichts der Interessenkonstellation, das weiß auch die Impulse setzende Spielleitung.   

Wie ein Griff in die Kiste der Utopisten wirkte es da, als Fabian Spillmann in der Rolle des US-Regierungschefs in der Atomfrage einen fundamentalen Vorstoß wagte: „Weltweite atomare Abrüstung bis zum vierten ‚POLIS‘-Jahr!“ Donald Trump  hat hier nicht Pate gestanden. Jonas Eichhoff macht für Japan Bedenken geltend, was die Glaubwürdigkeit anderer Regierungen anbelangt. Aber der Vorschlag findet mehrheitlich Zustimmung. NGO-Mann Niko Schule strahlt. Ganz anders als im Weltsicherheitsrat in New York. Während es dort zur selben Zeit um die verheerende Situation in Syrien geht, herrscht in der Messehalle am UN-Tisch Erleichterung. Die Richtung stimmt, der erste Schritt ist gemacht.   

Dass Jugendoffizier Daniel Günther als Planspielleiter der Bundeswehr am Ende ebenfalls sehr zufrieden wirkt, hat andere Gründe. Er betont noch einmal, wie komplex die Zusammenhänge geworden sind. Für ihn und seine Kollegen hat sich gezeigt, dass die beteiligten Jugendlichen ernsthaft um Lösungen ringen und dabei die Macht des Wortes zur Wirkung bringen. Jeder stand mindestens einmal am Mikrofon, jeder hatte seine Rolle in der Runde der Politiker und musste Flagge zeigen. In Afrika kam es am Ende sogar zu einem Rücktritt der Regierung Rathert. Fake News um eine Affäre sollen dabei, so Staatsministerin Pauline Wichmann, eine Rolle gespielt haben, nicht etwa das eingestandene Versagen im Falle der ethnischen Minderheit der Tuareg.

Die Adolfiner meisterten übrigens auch die besondere Schwierigkeit, bei laufendem Messebetrieb zu agieren. Immer wieder legten Lehrkräfte von Schulen aus ganz Deutschland am Stand der Bundeswehr einen Stopp ein, um zuzuschauen und sich zu informieren. Dabei war hier weitaus weniger Material einzusacken als bei belagerten Marktführern wie Klett, Westermann  und Cornelsen. Im Mittelpunkt steht immer noch der zunächst um politische Lösungen ringende Mensch, nicht  Algorithmen, nicht Drohnen, nicht Cyberattacken. Der Tod Unschuldiger bleibt ein Skandal, keine Kalkulationsgröße.

Volkmar Heuer-Strathmann