YouTuber Florian Mundt alias „LeFloid“ jetzt auch auf dem Buchmarkt aktiv

„Wie geht eigentlich Demokratie?“ – ein ambitioniertes Stück Aufklärung

Als "LeFloid" hat er einen Namen, YouTube sei Dank, als Florian Mundt ist er nur ein einfacher Psychologiestudent – mit 30 Jahren nicht eben der jüngste. Nun hat der mehrfach ausgezeichnete und vielabonnierte YouTuber sein erstes Buch auf den Markt gebracht.

„Wie geht eigentlich Demokratie?“ liest sich gut, das vorab. Nicht zu trocken, nicht zu locker, nicht zu wenig Text, nicht zu viel Illustration – ein modernes Layout, manchmal ein wenig klein gedruckt, wenn die Texte wie getippt wirken sollen,  aber das Werk ist ja sicher primär für junge Augen gedacht. Welchen Anteil an der Arbeit der als Mitwirkender genannte ehemalige Lehrer Jonas Lanig hat, bleibt offen. Alle Rechtschreib- und Grammtikfehler hat er nicht gefunden, aber fast alle. 

Dass hier ein bekennender Demokrat schreibt, ist schnell zu merken. Nicht wählen gehen, das geht gar nicht. Klar und deutlich wird skizziert, wie der Parlamentarismus in Deutschland funktioniert, was laut Grundgesetz die Fundamente sind und was als unveränderbar gilt, unabhängig von Parteiprogrammen und Politikerabsichten. Probleme wie die mangelnde Kontrolle der Regierung durch das Parlament, insbesondere durch die Koalitionsfraktionen, werden thematisiert, es geht um heikle Fragen wie die nach der Parteienfinanzierung, der Politikverdrossenheit, dem Populismus, dem Einfluss der Medien, insbesondere auch der ganz neuen, und der Repräsentation der Bevölkerung.           

Der direkten Demokratie steht der Verfasser zwar mit einer gewissen Sympathie gegenüber, unterwegs Richtung „Zivilgesellschaft“ mit breiten Beteiligungsformen und bunt gemischten Positionen. Das Beispiel aus der Schweiz, wo ein Volksentscheid über den Bau von Minaretten laut Mundt zu einem grundrechtswidrigen Ergebnis führte, hat ihn aber gelehrt, dem Volk nicht das letzte Wort oder zumindest nicht das einzige Wort zu überlassen. „Populismus“ ist nicht seine Sache. Viel Kritik erfährt der Föderalismus im Bildungsbereich, der zu ungleichen Voraussetzungen führe und zu viel Ungerechtigkeit. Wo es nötig erscheint, wird nach Art von Politikunterricht erörtert, ohne dem Leser oder der Leserin das Urteil abzunehmen. Das darf gerne Schule machen, auch wenn die Tabelle nicht zu den Textformen von Klausuren zählt. Dass es kein Register gibt, hat womöglich mit der Absicht zu tun, auf keinen Fall schulbuchhaft oder bieder wie eine graue Abi-Box daherzukommen.   

Heitere Fakten dürfen nicht fehlen. Wer wüsste schließlich schon, dass die längste Bundestagssitzung 20 Stunden und 3 Minuten dauerte, die kürzeste hingegen nur 1 Minute. Raucherpausen gibt es übrigens nicht. Besondere Mühe macht sich der Verfasser mit den Parteien und ihrer Programmatik. Die Abgrenzung wirkt klar und distanziert. Dass er später etwas Sympathie für "Die Partei" zeigt, tut dem Werk keinen Abbruch. So viel Spaß kann die Demokratie gut verkraften. Einmal macht Mundt es sich aber auch ziemlich einfach. Er schreibt: „Das Recht auf Immunität wird von einzelnen Parlamentariern aber auch missbraucht.“ Anspielungen legen nahe, dass der frühere Abgeordnete Sebastian Edathy (SPD) gemeint ist. Solider Journalismus geht anders.

Manches ist so nicht mehr gültig oder nicht mehr aktuell – das ist der Preis des gedruckten Buches, zumal wenn es so kurz vor einer Bundestagswahl erscheint. In der Frage der „Alterspräsidentschaft“ im Bundestag gibt es eine neue Regelung, Frauke Petry ist nicht mehr in der „AfD“ und zu  Fakenews und Hassbotschaften gibt es neue gesetzliche Regelungen. Deren Fragwürdigkeit wird spätestens dann deutlich, wenn man die Ausführungen über Gewaltenteilung besonders gründlich studiert.

Die Interviews mit Politikern verschiedener Coleur wie Peter Tauber (CDU), Christian Lindner (FDP) und Gregor Gysi (Die Linke) zeigen den versierten Jungjournalisten bei der Arbeit. Live liegt ihm einfach. Richterin Susanne Baer gibt sogar Einblick in die Arbeit am Bundesverfassungsgericht. Beim Polittalk dieser Art haben selbst Europapolitiker wie Alexander Graf Lambsdorff (FDP) mal Spaß bei der Arbeit.

Schon jetzt darf man auf die überarbeitete aktualisierte 2. Auflage gespannt sein.      

Volkmar Heuer-Strathmann

LeFloid; Wie geht eigentlich Demokratie?; Frankfurt/M. 2017, 272 S., zahlreiche Fotos, Tabellen, Grafiken und Illustrationen; ISBN 978-3-7335-0422-9