Entlassungsfeier der Abiturienten mit ganz unterschiedlichen Akzenten

"Den Mut haben, die eigene Leistung mal selbstkritisch zu betrachten..."

Wahrscheinlich gab es bislang kaum einen Abiturjahrgang am Adolfinum, über den schon vor der Entlassungsfeier so viel gesprochen wurde. Ein Artikel in der Lokalzeitung hatte hohe Wellen geschlagen, weil darin aufgrund von Schüleraussagen gegenüber der Redaktion der Eindruck erweckt wurde, das  Adolfinum stehe in diesem Jahr signifikant schlechter da. Als Indiz wurde die Zahl der Nachprüfungen herangezogen, als Grund wurden überhöhte Anforderungen angedeutet. 

Schulleiter Michael Pavel hielt dem möglichen Eindruck gleich zu Beginn des Festakts mit aller Deutlichkeit entgegen, der Unterschied gegenüber dem Vorjahr betrage am Ende genau einen Hundertstel Punkt. Abi 2017 hat einen Schnitt von 2,56 erreicht. Außerdem mahnte der Schulleiter an, dergleichen innerhalb der Schule zu klären, eben als „Schule mit Courage“. Dabei sollten die Schüler auch „den Mut haben, die eigene Leistung mal selbstkritisch zu betrachten“. Der große Applaus aus allen Richtungen kann sicher als Zustimmung interpretiert werden.

Die zahlreichen Ehrungen im Verlauf des Abends ergaben ohnehin ein ganz anderes Bild. Sogar im Fach Deutsch waren 15 Punkte zu vermelden - Sina Noll erreichte den Traumwert allerdings erst in der freiwilligen Nachprüfung über "Marionetten"-Lyrik aus DDR und BRD. Ein schönes Beispiel übrigens auch dafür, wie wenig die Zahl der Nachprüfungen aussagt über den Leistungsstand eines Jahrgangs oder einer Schule. Glückliche Gesichter - von Schülern und Lehrkräften des Adolfinum - gab es insbesondere in den Fächern Religion, Chemie und Biologie, in Englisch, Spanisch und Geschichte. Sogar mit Maß und Vers wurden Loblieder angestimmt. Hans Fabian bat, strahlend vor Glück, um Verständnis dafür, nicht alle auszeichnen zu können, die in Physik im Leistungskurs eine "1" erreicht hätten - vor dem Komma. Die für ihre außerordentlichen Leistungen zum Teil gleich mehrfach Geehrten und mit 15  Punkten Beurteilten: Mae Tjorven Grenz, Katharina Zapke, Johannes Hövermann, Niklas Rettinger, Jule Sommerburg. Johannes Rohde, Sina Noll, Can-Niklas Baron, Anna Snarr und Zoe Pape. 

Günter Baron von Tiesenhausen würdigte im Namen des Fördervereins das Engagement der Jahrgangssprecher "Josi" Strauß, Jonne Grein, Phillip Koester, Tim Janek und Nils Schach. Klaus Schnierl sprach für den Verein der Adolfiner. Dessen Auszeichnungen gingen an die beiden Jahrgangsbesten Nele Tackenberg (1,4) und Johannes Hövermann (1,2), an „Superstar“ Merle Homeier (Leichtathletik), die Organisatoren des VW-Schulprojekts Nils Schach und Jonne Grein und an die innerschulisch besonders engagierten Schülerinnen Sina Noll und Zoe Pape. Letztere hatte mit einer eigenen Inszenierung im Fach DS geglänzt. Sina Noll war auch schon gemeinsam mit Nils Schach von zwei SV-Lehrkräften für ihr großes Engagement im Rahmen der Schülervertretung belobigt worden. Am Rednerpult forderte die frühere Schülersprecherin nachkommende Generationen ausdrücklich zum Engagement auf.

Mehr noch als von Lobpreisung, Zeugnisaushändigung und Beschenkung wurde die Stimmung von den gelungenen musikalischen Beiträgen geprägt. Johannes Hövermann lotete am Klavier Tiefen aus, die manchen unter den Anwesenden womöglich daran erinnerten, dass in diesem Jahrgang vor zwei Jahren ein tragischer Todesfall zu beklagen war. - Johannes Rohde gefiel an der Gitarre mit Besinnlichem nach Liedermacherart. Für ein gutes Stück Lebensphilosophie sorgten Lehrkräfte, als sie in Chorformation ihre Zöglinge dazu einluden oder ermahnten, nun endlich „zu leben“. Da kennt man sich aus. Statt leer geschriebener Rotstifte warfen die von Cornelia Kastning und Tobias Kästner angeführten gutgelaunten Pädagogen ihren Zöglingen bunte Flimmerstäbchen entgegen. Das gefiel, das kam an, danach wurde geschnappt wie sonst nur nach sehr guten, sauber gelochten Arbeitsblättern zum Abheften unter "Abi Zwo17".

Ehe es mit dem Abisong raus "aus dem Bunker" Richtung Freiheit ging, wo und worin auch immer die liegen mag, galt der Dank des Jahrgangs dem Hausmeister Peter Kipper, den fünf Tutor(inn)en Birgit Bartels, Mareike Warner, Ute Böning-Spohr, Agnes Bergmann-Thiel, Volkmar Heuer-Strathmann und Ina Seidl sowie dem auf "Paderborner" Art beschenkten Jahrgangsleiter Martin Rüther. Das Trio "Leon, Martin und Noel" (Vorsicht: Chiasmus!) machte zuvor auf wunderbare Art mit dem Song „Ohne dich“ bewusst, wie schön Abschiedsschmerz sein kann. Aber man sieht sich ja noch beim Abiball, wo vermutlich die zweite Stelle hinter dem Komma keine größere Bedeutung mehr hat...     

Volkmar Heuer-Strathmann