Französischer Austauschschüler Hector Brunel setzt auf Emmanuel Macron

"Der internationale Schüleraustausch braucht keine neuen Grenzen!"

Am kommenden Sonntag wird Fernsehen geschaut bei Schwegels, da kann man ganz sicher sein. Oder der Weg führt ins Internet. Der fünfzehnjährige Hector Brunel aus Rennes ist für drei Monate in Bückeburg zu Gast. Er interessiert sich sehr für Politik und will natürlich wissen, von wem Frankreich in den kommenden Jahren regiert wird. Von Marine Le Pen erwartet er nichts Gutes, schon gar nicht, wenn es um Europa geht. Mit seinem Gastgeber Markus Schwegel ist er sich einig: "Der internationale Schüleraustausch braucht keine neuen Grenzen!" Und ein Staatspräsident Emmanuel Macron steht eben für mehr Offenheit, für Kulturaustausch und für Modernität.

Hector hat mit dem Deutschunterricht schon im 2. Schuljahr begonnen. Seine Sprachkompetenz ist hoch. Zurzeit steht daheim die deutsche Grammatik im Vordergrund, aber nach der 10. Klasse folgen noch zwei Jahre mit dem Schwerpunkt deutsche Literatur. Aus der Feder Bertolt Brechts gab es schon ein paar Kostproben. Markus erhofft sich von dem Gegenbesuch in Frankreich im September, in der zweiten Fremdsprache noch sicherer zu werden. Land und Leute stehen natürlich auch auf der Agenda.       

Über den Unterricht in Deutschland und Frankreich sagt Hector, dass in seiner Heimat mehr Lernstoff zu bewältigen sei. Am Ende der Schullaufbahn könne nichts abgewählt werden. Ein Projekt wie "Schule als Staat" sei am Lycée François René de Chateaubriand nicht denkbar. Selbst Fahrten seien eine Ausnahme. Einen großen Unterschied sieht Hector auch in der Frage der Religion. Die staatlichen Schulen seien frei von Religionsunterricht. Deutsch als Fremdsprache habe es schwer in Frankreich. Viele wählten an seiner Schule Spanisch, einige Italienisch.

Hector und Markus denken beide sehr europäisch. Wie einst Adenauer und de Gaulle schütteln sie die Hände vor dem Schulgebäude. "Handschlag statt Schlagbaum!", ist die Botschaft. Mit dem Schüleraustausch verbinden die beiden Schüler die Idee der Völkerverständigung, also nicht etwa nur Sprachtraining und Abwechslung im Schulalltag. Den "Brexit" sehen sie sehr skeptisch. Eine Ansteckungsgefahr besteht, das zeigt sich in diesen Tagen auch in der „Grand Nation“. Ein Land im Fieber, die Kandidaten unversöhnlich. Doch Hector hat die Hoffnung, dass sich der Trend zu Abschottung und Alleingang nicht weiter durchsetzt, auch am Sonntag nicht: „Die wirtschaftlichen Nachteile werden in Großbritannien bald sichtbar werden.“    

Volkmar Heuer-Strathmann