Grundschulpädagoginnen hospitieren im Gymnasium Adolfinum

Gegenbesuche in den Grundschulen sollen häufiger stattfinden

Zwei Mädchen aus dem 5. Schuljahr wollen in die Bibliothek. Die ist in dieser Pause nicht geöffnet. Die Mädchen scheinen verärgert. Da sehen sie ihre Grundschullehrerin durch die ein wenig geöffnete Bibliothekstür. Ihre Augen leuchten. Sie stoßen sich gegenseitig an. Da scheint viel Herz im Spiel zu sein.

Man kann die Sache auch anders darstellen, von Zulieferern reden, von Abnehmern, von Quoten und Noten, von Scharnieren, Schnittstellen und Weichenstellungen. Output und Input kennt die Schullaufbahnstatistik auch. Wenn die Lehrkräfte der umliegenden Grundschulen das Adolfinum besuchen, schauen sie in den 5. Klassen „ihre“ Schüler in den neuen Klassen an. Sie sehen „ihre“ Ergebnisse und werden doch sicherlich nicht nur darauf achten.

"Am Hositationsstag gilt das Prinzip der offenen Tür: Sie können von einer Klasse zur anderen gehen während der ersten zwei bis drei Stunden", erläutert Cornelia Kastning als zuständige Koordinatorin. Hinterher habe man zwei Stunden lang Gelegenheit, um sich mit den Klassenlehrern auszutauschen. Es werde deutlich, "welche Anforderungen am Gymnasium gestellt werden, was aus den Kindern geworden ist, wie diese sich hier zurechtfinden". Das helfe bei den Beratungsgesprächen im vierten Schuljahr.

Mathematiklehrer Christoph Rohlfing gehört zu den Kollegen, die auch schon Gegenbesuche gemacht haben. Die Grundschulen bieten das grundsätzlich an und freuen sich über die Gäste, so Kastning. Die Schulleitungen schaffen auf beiden Seiten die nötigen Voraussetzungen. Was im Plan an Umbau nötig ist, wird von den Zuständigen bewerkstelligt. All diese Gespräche sorgen dafür, dass der Respekt vor der Arbeit der anderen Seite wächst, die gegenseitige Wertschätzung, die Anerkennung aller Bemühungen in fachlicher oder pädagogischer Hinsicht. Im Mittelpunkt des Austauschs steht aber die Entwicklung der Kinder.

"Die Kinder freuen sich wirklich sehr darauf, hier als 'Große' ihre Lehrerinnen aus der Grundschule (lange her!) zu begrüßen", berichtet die Koordinatorin nach der Februar-Veranstaltung. Sie wollten ihnen etwas präsentieren. In diesem Jahr sollen englische Dialoge der Kinder im Unterricht bei Ingrid Eggers besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Gefreut hat man sich auch, dass Tobias Kästner sogar bereit war, in einer Vertretungsstunde im Fach Musik Gäste dabei zu haben. 

Bewirtung gehört auch zur Gastlichkeit. Manchmal kommt es vor, dass ältere Schüler ihren „alten“ Grundschullehrerinnen plötzlich auf dem Flur, vor der Bibliothek oder in Stallnähe gegenüberstehen. Ein Blick, ein Gruß, ein Lächeln, ein Winken - es gibt im Verlauf einer Schullaufbahn Bindungen und Verbindungen, die wirkmächtiger sind als alle Bildungsstandards. Negative Erfahrungen gehören manchmal wohl leider auch dazu.

Volkmar Heuer-Strathmann