Dramatisches Finale beim diesjährigen Kollegenboßeln

Herrliches Winterwetter führt zu einem Teilnahmerekord

"Verspielte Erwachsene können Stress wegstecken", lasen wir am 17. Januar 2017 in der "Süddeutschen Zeitung" auf der Titelseite. Verspieltheit zeichne sich, so das Ergebnis einer soliden wissenschaftlichen Untersuchung in der Welt der OPs, durch "Humor, Offenheit für neue Erfahrungen, einen Hang zum Extrovertierten und ein verträgliches Wesen" aus. Stress wegstecken? Kaiserwetter! Das führte zu einem Teilnahmerekord - statt Abmeldungen Nachmeldungen! Nur auf Pensionär Jochem Reichert, der die Echtheit der in Ostfriesland "Boßel" genannten befüllten Kugeln seit Jahrzehnten garantiert, musssten die über zwanzig Akteure aus Kollegium und Verwaltung verzichten. Ein kleines Malheur des verwegenen Radfahrers, so hieß es, keine Rumkugeln!

Drei Mannschaften machten sich direkt am Mittellandkanal auf die Strecke. Ehemalige Kollegen wie Peter Bollmann, Herbert Harms, Irma Gleitzmann und Jürgen Hockemeier konnten von Organisatorin Sabine Fischer herzlich begrüßt werden. Lutz Gräber beantwortete die letzten kleinen Regelanfragen mit Googles Hilfe, dann wurde geboßelt - nicht auf Teufel komm raus. Immer von der hinten liegenden Mannschaft auszugehen, das hält alle beisammen und hat etwas sehr Menschliches. Die Schulleitung ließ es sich nicht nehmen, zwei der gut gemischten Mannschaften kurz vor dem ultimativen Umkehrpunkt im Schaumburger Wald noch als Nachrücker zu verstärken.  

Kleinere Unterbrechungen durch Kugelsuche, Getränkeaufnahme und Punkteaddieren waren nicht unwillkommen. In den Gesprächen ging es natürlich immer wieder um die "Ideallinie" und die richtige Anlauftechnik. "Rohrkrepierer" waren nicht zu beobachten, aber manchmal zeigten die Kugeln schon eine gewisse Eigenwilligkeit, die philosophieren und spekulieren ließ über Eigensinn und das Lebensfremde der gesamten Physik. "Sind wir nicht alle ein bisschen Boßel?", hätte man auch fragen können.

Am Ende hatte Connie Kastning alles in ihrer Hand. Im direkten Vergleich mit dem "roten Michael" gelang ihr auf abschüssiger Strecke der bessere Wurf: "Connie Kastning kann's!" Ob Rücksicht im Spiel war, weiß der Himmel. "Gelb" hatte das Gesicht gewahrt. Damit stand es "2 zu 2 zu 2"! Flexible Regelauslegung, beste Versorgung, viel Verspielheit, technische Raffinesse, fächer-, geschlechter- und generationenübergreifende Kooperation, geduldiges Suchen, kein Mäkeln, kein Meckern, nur verträgliche Wesen, kein Trumptyp, kein Gewinner - und doch nur glückliche Gesichter! Das war olympisch!

Volkmar Heuer-Strathmann