Seminarfachschüler entwickeln Lernspielmaterial für Vertretungsstunden 

Wenn Sauerstoff- und Wasserstoffatome intensive Bindungen eingehen

Der Begriff "Lernspiel" hat etwas von der Quadratur des Mittelkreises - ein Grund mehr für einen Seminarfachkurs, der sich voll und ganz der Spielkultur verschrieben hat, sich einmal auch noch dieses Themas anzunehmen.

Ging es in den 22 Facharbeiten z. B. um "Spielsucht", "Hungerspiele", "Wortspiele" oder "Spielsysteme im Betrieb", sollte nun konkretes Material erarbeitet und hergestellt werden, durch das spielerische Elemente in den Vertretungsunterricht am Adolfinum gebracht wird (Altersgruppe: 7., 8. und 9. Jahrgang).

Dreierteams befassten  sich mit Fächern wie Musik, Physik, Kunst, Geschichte und Erdkunde. Man konnte an eine Wichtelwerkstatt denken, so intensiv wurde gearbeitet. Eine Woche später konnten die Gruppen ihre Konzepte und Materialien präsentieren und ausprobieren.

In der Praxis zeigte sich, wie schnell Wettkampfstimmung entsteht, ohne dass die Regelorientierung der Akteure im "Schaltkreis" oder auf "Staatensuche" verloren geht. Kleine Erfolgserlebnisse an der Tafel steigern die Motivation, von Demütigung vor der Klasse keine Spur.

Lernergebnisse prägen sich spielerisch ein, wenn mit "Hitler", "Stalin", "Caesar" und "Napoleon" Variationen der Tyrannei angeboten werden. Aus Schlagworten der Herrscher werden Tabuausdrücke, auf sprachliche Nachlässigkeit folgt ein Punktabzug. An der Reduzierung des Regelapparats kann hier und  da noch ein wenig gearbeitet werden. Schließlich soll die vertretende Lehrkraft in wenigen Minuten in die Lage versetzt werden, fachfremd  zu agieren - und das ganz spielerisch, also mit Leichtigkeit und Freude.

Besondere Freude weckten die "Tanzenden Moleküle". Man reichte sich die Hände zu "Bindung und Doppelbindung", aus Spiel wurde Tanzspiel. Johann Huizinga hatte in seinem "Homo Ludens" notiert: "Der Tanz bildet eine der reichsten und vollkommensten Formen des Spiels." Im Zeichen von Wasserstoff und Sauerstoff fanden die Zöglinge auf ganz neue Art zusammen, Wasser war noch das Geringste. Eine kleine Nuklearexplosion am Rande demonstrierte, wie viel Energie freigesetzt wird, wenn Bindungen sich lösen - für eine einfache Vertretungsstunde ein Alptraum!

Nach Abschluss der redaktionellen Arbeit werden die Materialien dem Kollegium zur Verfügung gestellt. Die Verwendung ist gebührenfrei.

Volkmar Heuer-Strathmann