Abiturienten können Einsicht in ihre Klausuren nehmen

Koordinator Rüther öffnet für kurze Zeit das Schularchiv

Manche sagen: "Das muss ich mir nicht antun!" Andere meinen: "Das will ich wissen!" Ganz Coole mögen fragen: "Wieso, welches Abitur?" Es gibt sicherlich gute Gründe, Einsicht in die eigenen vier Abiturklausuren zu nehmen, die Gutachten zu lesen, die Randbemerkungen zu entziffern und genau auf die Punkte zu schauen. Es gibt aber auch gute Gründe, die Sache ruhen zu lassen. Diskutiert wird nicht, kein Lehrer weit und breit.

Alle Jahre wieder öffnet Koordinator Martin Rüther das Schularchiv. Aufgaben und Erwartungshorizonte – ein wunderbares Wort übrigens - sind im Internetzeitalter ohnehin kein Staatsgeheimnis. Operatoren sind in aller Munde. Der Starck-Verlag steht schon in den Startlöchern, um seine Dienstleistungen anzubieten. Selbst Vorschläge, die nicht richtig liefen, werden vermarktet. Lösungen werden feilgeboten, deren Verfasser nicht Schüler sind. Dann staunen die nächsten Jahrgänge nicht schlecht, wenn sie Mustergültiges lesen müssen. Weit über den Einzelfall hinausweisend, wäre nach zehn Jahren Zentralabitur in Niedersachsen doch wohl eigentlich allmählich eine kleine Evaluation angesagt.

Am 10. Dezember 2016 geht es nicht um Auswertung, sondern um die persönliche, stille und individuelle Akteneinsicht. Raum 131 wird um 9 Uhr geöffnet, die Gelegenheit endet um  Punkt 11 Uhr. Abfotografieren ist nicht erlaubt. Abiturklausuren sind wichtige Dokumente. "Justitiabel" sagt der Schulrechtsexperte, doch das Unwort klingt eher nach einem Anfangsverdacht. Legendär werden die Anforderungen und die Leistungen übrigens erst im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte, obwohl buchstäblich alles voll identisch ist und nichts fließt, auch keine rote Tinte. Falsches wird nicht besser, nur die Augen werden schlechter.     

Sollte irgendein Ausnahmeabiturient auf diesem Weg über die Homepage der Schule von der Gelegenheit Kenntnis bekommen, wäre eine Netznachricht hilfreich. Eine Gruppe dürfte es doch noch geben. Ein erstes Wiedersehen im Jahrgang ein paar Monate nach den Feierlichkeiten - eine schöne Gelegenheit zur Vorweihnachtszeit! Da wäre man selbst als Begleiter dieses wunderbaren Jahrganges fast geneigt, hinzuzukommen und die ersten Statements über das Studium, die Rentenaussichten, das Praktikum, die große Freiheit, das knappe Geld, die ersten Schritte auf der Karriereleiter, eine Auslandszeit, eine Auszeit und die fehlende Wärme des Jahrgangsstalles zu hören. Oder nur den kraftvollen Schlachtruf: "Abi Zweitausendsechzehn!"    

Volkmar Heuer-Strathmann