Feldarbeit am Morgen oder in die Schule gehen...

Guatemala-Experte informiert den Schülerrat

Von Lutz Gräber

Andreas Boueke, Journalist für den WDR und NDR in Guatemala und Autor mehrer Bücher zum Thema Guatemala, hat vor Ort, vor allem unter der indigenen Maya-Bevölkerung mehrere Hilfs- und Patenprojekte ins Leben gerufen, die er selbst betreut, da er mehr als acht Monate im Jahr in Guatemala lebt. Er begleitet auch das Guatemala-Projekt des Adolfinum, das vor knapp drei Jahren ins Leben gerufen wurde. Jetzt war er zu Gast im Adolfinum und berichtete u.a. in der SR-Sitzung über den erfolgreichen Fortgang unseres Projektes in Wachalal im guatemaltekischen Hochland. Zuletzt wurde ein neues Wasserleitungsprojekt angelegt, das vom Adolfinum finanziell unterstützt wurde. Die erste Phase eines Neubaus der Schule mit zwei Klassenräumen ist abgeschlossen. Hierbei hat das Adolfinum ebenfalls geholfen. Die vierzehn Familien der Gemeinde leben weiterhin in extremer Armut, aber sie können gut eigenständig überleben und haben keine Angst mehr vor Gewalt und Krieg. Nachdem wir bereits die Anschaffung von sparsamen und gesundheitfördernden Kochöfen unterstützt haben, hat das Adolfinum durch drei Maßnahmen wesentlich zu dieser Situation beigetragen. Nun schlägt Andreas Boueke eine Erweiterung des Projektes vor, die auch den persönlichen Kontakt zwischen unseren SuS und SuS aus Guatemala wesentlich fördern könnte.

In einer Mail schreibt unser Mann in Guatemala:

"Ixmukané ist eine Schule mit einem Schwerpunkt auf die Förderung indigener Sprache und Kultur. Das Ziel ist es, Kindern der ärmsten Familien der Region um das Dorf Tecpán herum eine qualitativ hochwertige Bildung zu ermöglichen und ihr kulturelles Selbstbewusstsein in der vom Rassismus geprägten guatemaltekischen Kultur zu stärken. Es gibt eine Partnerschaft der Deutschen Schule in Guatemala zu dieser Ixmukané Schule. Ich habe vorgeschlagen, dass wir versuchen, einen Kontakt zum Adolfinum zu etablieren. Im Fall von Ixmukané ist das realistischer und praktikabler als mit der Gemeinde Wachalal, die schwer zugänglich in den Bergen liegt. In Ixmukané hingegen gibt es schon einen Internetzugang. Die LehrerInnen dort sind außerordentlich engagiert und einige SchülerInnen mit Stipendium besuchen auch eine Sekundarschule.

Demnächst soll ein Ixmukané-Kindergarten eingerichtet werden und es wäre sehr hilfreich, wenn das Adolfinum die Ausrüstung eines Spielplatzes mitfinanzieren würde. Außerdem gibt es Bedarf für ein Stipendienprogramm und womöglich die Finanzierung von Lehrpersonal oder das Gehalt einer Psychologin/Sozialarbeiterin.

Demnächst wird am Adolfinum entschieden werden, ob ein Teil der Einnahmen aus dem Weihnachtsbasar für die Ausstattung des Spielplatzes des Bildungszentrums Ixmukané genutzt werden soll.

Ich möchte nochmal unterstreichen, dass die finanzielle Unterstützung aus Bückeburg sehr konkrete, teilweise ganz existentielle Wirkung hat. Die Lebenssituation der begünstigten Kinder und deren Familien ist zum Teil extrem prekär. In Einzelfällen geht es buchstäblich um Themen wie Hunger und Ausbeutung von Kindern. Zum Beispiel ein Stipendium von 160 Euro im Jahr macht häufig den Unterschied, ob ein zehnjähriges Kind arbeiten geht und keine Schulbildung bekommt, oder ob es zumindest morgens in die Schule gehen kann und nur nachmittags auf dem Feld arbeiten muss. Dieser Unterschied bedeutet, dass sich ihm eine andere Zukunft eröffnet.

In mehreren Gesprächen wurde heute der Wunsch formuliert, dass mit der Zeit eine Partnerschaft entstehen könnte, in der neben der finanziellen Komponente auch pädagogische Elemente und interkultureller Austausch zustande kommen. Dafür bietet das Bildungszentrum Ixmukané gute Möglichkeiten.

- Prinzipiell wäre es sicher möglich, dass SchülerInnen der Spanischkurse per Mail Kontakt zu dem (sehr jungen) Kollegium von Ixmukané und zu StipendiatInnen aus Sekundarschulen aufnehmen.

- Falls sich wirklich mal jemand aufmachen möchte und Guatemala besuchen will: Ihr seid herzlich willkommen, in dem Haus meiner Familie, zu Besuchen in Ixmukané und der Deutschen Schule, zu einer Fahrt nach Wachalal (etwas komplizierter) und vielen Tipps für ein spannendes touristisches Programm.

- Das Welthaus Bielefeld ist seit Jahren Entsendeorganisation des weltwärts-Programms und arbeitet mit Projekten im südlichen Afrika und Lateinamerika. Leider konnte weltwärts in Guatemala nach dem ersten Jahr nicht weitergeführt werden, weil das Auswärtige Amt auf Grund der schwierigen Sicherheitslage einen Riegel vorgeschoben hat. Aber es wäre möglich, dass ich Adolphinum SchülerInnen, die sich für Guatemala interessieren, später auch beim Welthaus Bielefeld für weltwärts bewerben.

Ich möchte mich noch einmal bedanken für Euer Interesse und das bisher Erreichte. Es wäre toll, wenn diese Initiative weitergeht und womöglich weiter wächst. Es ist natürlich wertvoll, wenn sich einzelne LehrerInnen eifrig engagieren. Ich verstehe aber auch, dass es im Schulalltag häufig andere Prioritäten gibt. Doch manchmal kann schon eine Menge bewegt werden, wenn jemand im richtigen Moment an dieses Projekt denkt und es in die Planung einer Aktion oder eines Unterrichtsthemas einbezieht."