Harte Worte: "Online sahst du besser aus!"

Über 600 Adolfiner beim Reformationsgottesdienst in der Stadtkirche

Aus Anlass des vor der Tür stehenden Luther-Jahres verzichtet man am Adolfinum in diesem Schuljahr auf den traditionellen Gottesdienst am Buß- und Bettag. Mit einem von Cornelia Kastning organisierten Schulgottesdienst am Reformationstag wollte Schulpastor Lutz Gräber ein Zeichen setzen, über 600 Schülerinnen und Schüler folgten seiner Einladung. Die Botschaft - ganz im Geiste Luthers: "Du bist angenommen von Gott, so wie du bist."

Schüler des Religionskurses von Studienreferendarin Janine Kiesche zeigten mit einer Szenenfolge, was es heißt, Äußerlichkeiten zu folgen und ihrer Wirkung zu erliegen. Angelina Reinecke schlüpfte in die Rolle einer Schülerin, die im Netz ein "falsches Bild" von sich postet (Fotodesign: Jan Sladek). Die Enttäuschung ist groß, als es zum Date kommt, die Reaktion des Jungen, der mit dem Foto geködert wurde, wirkt brutal: "Online sahst du besser aus!" Ein Raunen machte die Runde. Das saß. Das war kein Spaß.

Für Gräber verkörpert die Freundin, die sich der von Zweifel und Selbstzweifel Geplagten annimmt, die Botschaft: "Es geht um den Kern, nicht um die Hülle, nicht um das Äußerliche." Nach diesem gelungenen Beitrag zu einem Fotoshooting einzuladen, hätte Züge von heilloser Selbstironie gehabt, wären da nicht die ins Bild gehaltenen Schilder gewesen mit ihrem ganzen Bekennermut: "So bin ich!"

Während des Gottesdienstes nahm Pfarrer Jan-Peter Hoth seitens der Schaumburg-Lippischen Landeskirche die Gelegenheit wahr, Franziska Winther vor so vielen Adolfinern als neue Schulseelsorgerin einzusegnen. Die Deutsch-, Religions- und Theaterpädagogin hatte erst kürzlich eine Zusatzausbildung abgeschlossen. Winther erweitert damit das Beratungsangebot der Schule. Als Seelsorgerin steht sie - ganz wie eine Pastorin oder ein Priester - unter gesetzlicher Schweigepflicht, auch wenn die Arbeit mit Schülern nur ehrenamtlich geleistet wird.

Was das Liedgut und die Sangeskunst der Schüler anbelangt, hätte Martin Luther sich sicherlich mehr Hingabe gewünscht, nicht zu verwechseln mit falscher Frömmigkeit. Im Verlauf des Luther-Jahres wird sich das Adolfinum sicherlich an verschiedenen Aktionen beteiligen und Gesicht und Stimme wagen. Nicht allein "Schaumburg-Lippe liest" wird schöne Gelegenheiten bieten für wache Geister.

Volkmar Heuer-Strathmann