Mit Herrn Riemer & Frau Kouane auf Studienfahrt nach Straßburg

Endlich eine echte Alternative zum praxisfernen Politikunterricht!

Von Birte Wilharm-Lohmann und Katharina Zapke

Bereits nach vier Stunden Zugfahrt war unser Reiseziel erreicht; Straßburg. Eine schöne Stadt geprägt von der deutsch-französischen Architektur, vielen kleinen Boutiquen und einer Vielzahl an kulturellen und politischen Institutionen.

Nachdem wir unser am Bahnhof zentral gelegenes Hotel bezogen hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Wir gingen durch schmale Gassen und Fußgängerzonen, in denen die unzähligen Boutiquen in eng aneinandergereihten, alten, teils sogar schiefen Fachwerkhäusern für das richtige Idyll sorgten.

Besonders ungewohnt war das Verkehrswesen. Ständig fuhren Autos und Motorroller durch die Fußgängerzonen. Kaum ein Fußgänger oder Fahrradfahrer ließ sich von einer roten Ampel beeindrucken. Alle Autos und Fußgänger liefen kreuz und quer durcheinander, zu unserem Erstaunen passierte nichts. Auch die Polizei, die sehr stark präsent war, schien dies nicht zu kümmern. Während wir hier in Bückeburg stets bemüht sind beim Einparken keine anderen Autos zu beschädigen, schien es dort an der Tagesordnung zu sein. Fast jedes zweite Auto hatte vorne oder hinten Beulen. Denn egal wie klein die Parklücke auch war, quetschten sich die Autofahrer hinein. War die Lücke dann doch mal zu klein, wurden einfach die anderen Autos vorsichtig beiseitegeschoben. Ebenso ungewohnt war es immer wieder schwerbewaffneten Schutzmännern und Schutzfrauen über den Weg zu laufen, die sich vor allem an den Touristenattraktionen aufhielten. Die Folgen des Terrors in Frankreich hinterließen bei uns Nachdruck. Aus den Medien waren uns solche Szenarien schon bekannt. Doch eine direkte Begegnung führte zu einem anderen Umgang mit der politischen Materie. Zudem wurden als Vorsichtsmaßnahme in ganz Frankreich alle Papierkörbe verschlossen und stattdessen transparente Mülltüten aufgestellt.

Am nächsten Morgen frühstückten wir alle zusammen in dem Hotel. Dieses war doch etwas ungewohnt. Wir hatten keine Teller, sondern nur Tabletts, unser Geschirr bestand aus Plastiklöffeln, -messern und -bechern. Zum Frühstück konnten wir entweder landestypische Speisen wie Baguette oder Croissant mit in Plastik verpackter Marmelade, Honig, Nutella oder Käse essen. Alternativ standen noch Joghurt und Müsli zur Verfügung. Die grüne Bewegung ist an den Franzosen scheinbar vorbeigegangen. In Sachen Umwelt haben die Franzosen also noch einiges nachzuholen; Müll in Gewässern, die Entsorgung von Lebensmitteln in Abwasserkanälen, aber auch der liberale Umgang mit Plastik sind nur einige Beispiele für Frankreichs Müllprobleme!

Als nächster Programmpunkt stand die Besichtigung des Europarates auf unserer Agenda. Auf dem Weg dorthin kamen wir an dem Gebäude des deutsch-französischen Kultursenders „arte“ vorbei. Bei dem Europarat angekommen, guckten wir zuerst einen Film, der über die Aufgaben des Europarates informierte und im Anschluss hatten wir eine Führung durch das Gebäude. Der Europarat ist eine Institution der europäischen Union. Dieser legt die allgemeinen Prioritäten der EU fest. Von außen wirkte der Europarat sehr unspektakulär. Doch von innen beeindruckte er mit seiner Architektur und dem imposanten Plenarsaal. Der sich vom Aufbau nur wenig von dem des deutschen Bundestages unterscheidet, jedoch viel größer ist. Unser kurzes Tagesfazit: Soviel wie an dem Tag, haben wir in unserer ganzen Schullaufbahn nicht über den Europarat gelernt. Vielleicht sollte Politik-Unterricht doch praxisnäher gestaltet werden, um so einen schnellen Lernfortschritt zu garantieren!

Gutes Essen gehört in Frankreich zu der französischen Lebensart. Deshalb aßen wir zum Abschluss des Tages gemeinsam bei Flam`s, einem Flammkuchen-Restaurant zu Abend. Dort konnte man sowohl herzhafte als auch süße Flammkuchen probieren.

Der folgende Tag war von Stadtführungen jeglicher Art geprägt. Wir besichtigten die Stadt zu Fuß, mit einer Bummelbahn und zum Abschluss bei Dunkelheit noch einmal mit dem Schiff.

Wir schauten uns die bis in das 19.Jahrhundert weltweit größte Kathedrale, den Straßburger Münster an und betrachteten dort u.a. die astronomische Uhr. Anschließend stiegen wir 350 Stufenempor zu einer Aussichtplattform, von der aus man die ganze Stadt überblicken konnte. Meist betont man den technischen Fortschritt unserer Zeit, oft wird jedoch vergessen, in was für einer Lage die Menschen vor uns waren. Der Liebfrauenmünster als technische Meisterleistung jener Zeit wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Weiter besichtigten wir das Petite France, ein kleines, gemütliches und charmantes  Stadtviertel, am Wasser gelegen. Das Viertel ist sehr beliebt bei Einheimischen und Touristen. Die engen Gassen, die Fachwerkhäuschen und die vielen kleinen Geschäfte laden zu einem schönen Spaziergang ein.

Auf dem Weg zu der Bootstour durchquerten wir das Hafenviertel und das Europaviertel. Um 1960 hat man begonnen ein Europaviertel in Straßburg zu planen und dann auch langsam Stück für Stück zu errichten. Das erste Gebäude war das Palais de L´Europe - das Gebäude für den Europarat. So entstand ein Gebäude in Form einer alten Ägyptischen Pyramide mit etwa 105 m Seitenlänge. Die oberen Etagen und die Spitze hat man bewusst weggelassen als Symbol dafür, dass Europa weiter wächst. Herzstück ist der Plenarsaal für etwa 550 Abgeordnete und 450 Zuschauer. Gegenüber liegt die Orangerie, ein sehr schöner Tier- und Blumenpark. Hier kann man auch Unmengen von Störchen sehen. Der Storch gilt auch als heimliches Wappentier im Elsass.

Geht man von der Orangerie über die Brücke, kommt man zum Europäischen Gerichtshof für die Menschenrechte, der vor etwa 15 Jahren dort errichtet wurde. Hier steht das größte ständig arbeitende Gericht der Erde. Geht man am "Schiffsbug" weiter über die Illbrücke, kann man gegenüber das Europäische Parlamentsgebäude sehen. Wir hatten das Glück auch diesen besichtigen zu dürfen. Architektonisch ist dieser gerade durch die Exklusivität noch einmal beeindruckender als das Gebäude des Europarates. Die Aufgaben des Europaischen Parlaments sind einerseits die Aufsicht und der Haushalt, aber auch die Gesetzgebung. Dort wo sonst Burkhard Balz oder andere internationale Politiker sitzen,  durften wir einem Vortrag, in dem die Funktionen des Europaparlaments im Vordergrund standen, lauschen. Außerdem sahen wir einen Informationsfilm über die Funktionen des Europaparlamentes. Jedoch war dieser nicht so spannend. Moderne Medien können also noch so toll sein, ersetzen aber meist nicht einmal ansatzweise die Wirklichkeit.

Auch für die Feinschmecker unter uns haben wir einen besonderen Programmpunkt gehabt; die Besichtigung eines Schokoladenmuseums. Dort konnten wir die Schokoladenherstellung von der Kakaobohne bis zur Schokolade nachvollziehen und verkosteten gemeinsam einige ausgewählte Pralinen.

Schlussendlich kann man sagen, dass unsere Studienfahrt in Straßburg sehr gelungen war. Straßburg als ein Ort, an dem Politik und Kultur aufeinander treffen, vereint durch die vielfältigen kulturellen Angebote zahlreiche Interessen. Eine Wiederkehr schließen wir alle nicht  aus!