Als Fremdsprachenassistentin für Französisch am Adolfinum

Maude Léonhard bekennt: "Ich liebe die deutsche Grammatik!"

Natürlich war sie schon einmal in Berlin. Sie kennt Bremen, sie kennt Freiburg und München. Die Fahrradstadt hat sie besonders beeindruckt. Natürlich will sie noch mehr deutsche Städte kennen lernen in dem Jahr, das sie in Bückeburg am Adolfinum als Fremdsprachenassistentin für Französisch verbringt. Aber Maude Léonhard sagt ganz eindeutig: "Mir ist es wichtiger, dass ich in dieser Zeit mein Deutsch noch verbessere."

Die Fünfundzwanzigjährige kommt aus Lausanne, also aus der französisch-sprachigen Schweiz. Dort hat sie an der Universität zunächst in Altgriechisch und Philosophie ihren Bachelor gemacht, Deutsch  war nur am Rande wichtig, eher eine private Leidenschaft: "Ich liebe die deutsche Grammatik! Ich liebe Systematik!" Inzwischen studiert sie im Masterstudiengang Germanistik und strebt das Lehramt an Gymnasien an. In der Schweiz bedeutet das aufgrund der Struktur des Schulsystems, nur in den Jahrgängen 10 bis 12 tätig zu sein. Französisch wäre für sie an der Schule das ideale Zweitfach.

Wenn der 9. Jahrgang "Andorra", das vielgespielte Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, im Unterricht liest, ehe man die Inszenierung in Hannover sieht, wird Léonhard sicher mit dabei sein. Ihr Unterrichtseinsatz wird aber im Fach Französisch liegen. Fachobmann Jörg Wilkening kann sich freuen, wieder eine Muttersprachlerin im Team zu haben. Da kann der CD-Player wieder öfter im Regal stehen bleiben, wenn es um die natürliche Aussprache geht beim Parlieren. Von den Deutschkenntnissen der Schweizer "Franzosen", die in der Schule zunächst Deutsch lernen und erst danach Englisch, ist Léonhard nicht begeistert. Man lerne allerdings Hochdeutsch, nicht etwa "Schwiizertüütsch", viele wählten die Nachbarsprache aber nach dem 9. Jahrgang ab. Die Schweiz ist schließlich schon lange ganz auf den Weltmarkt ausgerichtet, gerade wegen der Sonderstellung im Herzen der Europäischen Union - und doch außerhalb. Man spricht Englisch.    

Auf die vielen Referenden angesprochen, also eine der Spezialitäten der Schweizer Demokratie, bekennt Léonhard freimütig: "Ich bin sehr unpolitisch." Fast klingt es wie ein Bedauern, wie ein peinliches  Defizit. Prinzipiell begrüßt sie nämlich, dass das Volk nicht nur am Tag einer Parlamentswahl seine Stimme erhebt. Ein Rest der Radikalität eines Jean-Jacques Rousseau scheint noch erhalten im Lande des von Friedrich Schiller – selbst kränkelnd und immer kompromissbereiter - zum Buch- und Bühnenhelden verklärten Attentäters Wilhelm Tell. Dass in Deutschland so unterschiedliche Parteien wie die "Grünen" und die "AfD" auf die Schweiz verweisen, wenn es um echte Volkssouveränität geht und kantonales Selbstbewusstsein, wird noch zu besprechen sein - vielleicht im Leistungskurs Politik-Wirtschaft.

Der Germanistin bedeutet die Epoche des "Sturm und Drang" besonders viel. Da wird sie in Bückeburg an den jungen Herder anknüpfen können, der vor seiner Schaumburg-Lipper Zeit in seinem "Journal" auf der Schiffspassage nach Frankreich notiert hatte, was ihn antrieb: "Uns in Sprachen und Bildung dem Geschmack und der Feinheit unseres Jahrhunderts zu nähern und nicht hinten zu bleiben!"  

Volkmar Heuer-Strathmann