Sonntag: Wenn der Tag um 1 Uhr morgens beginnt…

Von Hilal und Alina

Etwas verschlafen, aber doch hochmotiviert machte sich die Seminarfahrtgruppe  des Adolfinum am frühen Sonntagmorgen auf den Weg. Der Zeiger zeigte ziemlich genau 1 Uhr. Mit Athen als Ziel vor Augen schien jede Hürde überwindbar, so auch die lange  Anfahrt. Nach einer ereignislosen und müden Busfahrt, die alle wohl gut überstanden hatten, schien Chronos, der Gott der Zeit, der Gruppe letztendlich einen Streich spielen zu wollen. Nur sprintend und in großer Hast gelang es der Truppe im letzten Moment, das Gate zu erreichen. Nach diesem Kampf gegen die Zeit war  wohl auch der Letzte hellwach.

Von Müdigkeit war nach Ankunft in Athen schon lange nicht mehr die Rede. Nachdem sich alle schnell im Hotel Candia eingerichtet hatten, sollte die Erkundungstour auch schon beginnen.  

Als erstes Ziel setzte sich die Gruppe die Athener Altstadt. Zu Fuß ging es durch die Straßen Athens, die von Graffiti nur so strotzen - ein erster Schock für die Gruppe, da wohl keiner mit jenem Anblick gerechnet hatte. Die Vorfreude wurde jedoch wieder erweckt, als man den fröhlich belebten Monastiraki Platz endlich erreicht hatte. Jetzt durften die Schüler losziehen und die Innenstadt   erkunden, welche einen hervorragenden Blick auf die Akropolis bot.

Da das Tagespensum noch nicht ausgeschöpft und die euphorische Gruppe unermüdlich war, versammelte man sich nach den kleinen Erkundungstouren wieder und steuerte gemeinsam die Akropolis an.  Hier bekamen die Jugendlichen einen ersten Vorgeschmack auf die am nächsten Tag folgende Führung. Eine Welle der Faszination und Ehrfurcht machte sich breit, als man im antiken Dionysostheater ankam. Es wirkte so, als könne man noch die Gespräche der antiken Griechen hören, die durch Klatschen und Zurufen den Schauspielern ihre Begeisterung mitteilten.

Der etwas längere Aufenthalt in der Akropolis schien nach einiger Zeit dann doch zu einem allgemeinen Magenknurren zu führen, sodass man beschloss, sich auf die Suche nach etwas Essbarem zu machen. Schnell war ein schönes Restaurant gefunden (eine Suche, die sich generell nie als problematisch erweisen würde) und die Bestellungen wurden aufgegeben.

Bei gutem Essen, herzlichem Beisammensein und eindrucksvoller griechischer Livemusik tauschten sich die Jugendlichen über ihre ersten Erlebnisse und Eindrücke aus.

Mit fortschreitender Zeit  klang bei vielen langsam aber sicher die Müdigkeit an, sodass die Gruppe beschloss sich aufzuteilen. Für die einen war der Abend hiermit beendet, für die anderen begann die Chance, die restlichen Stunden zu nutzen und auf Empfehlung des Kellners hin das Dora Stratou Theater aufzusuchen. Gezeigt wurde zum letzten Male eine traditionelle griechische Volkstanzperformance. Geprägt durch Tanz, Musik und Witz schuf das Spektakel, eine für die Gruppe noch unbekannte Atmosphäre mit ganz eigenem Charakter.

 Da sprang auf einmal der Teufel mit seinem Dreizack um eine im kriegerischen Gesang und Tanz vertiefte Gruppe herum und klingelte lautstark mit seiner Glocke, während im nächsten Moment Schulmädchen ihre kleinen Rucksäcke zur Seite legten und einen komplizierten Volkstanz aufführten.

Durch Unterlegen der erzählten Geschichte mit traditioneller griechischer Musik, die einen dazu aufforderte, stets im Takt mit zu wippen, wurde jener Abend zu einem aufregenden Erlebnis, trotz fehlender Sprachkenntnisse.

Nach einem kurzen Rückweg, ohne weitere nennenswerte Vorfälle, kehrte also auch der Rest der Gruppe ins Hotel zurück.

Geschafft, aber zufrieden konnten die Jugendlichen schlussendlich zu Bett gehen und auch die Lehrer waren wohl froh, alle wieder sicher in ihren Zimmern zu wissen.

Alles in Allem ein wirklich gelungener erster Tag.

Montag: Wenn ein paar tausend Jahr Geschichte auf dem Programm stehen…

Von Sina und Johanna

Wenn eine Schülergruppe um 8 Uhr morgens mit Rucksack, Selfiestick und flottem Schritt bewaffnet, bereitwillig einer dynamischen Reisebegleitung folgt, dann muss entweder das Ziel vor Augen beträchtlich oder die erste Nacht in griechischen Gefilden berauschend gewesen sein. So oder so, der Aufstieg zur Oberstadt, der sogenannten Akropolis, war unterwandert von Spannung, sonnig guter Laune und ein bisschen Restmüdigkeit vom ersten Kulturschock des vorherigen Tages. Eingeführt in mythische, mystische Sagen und historische Ereignisse, war der Aufstieg zu den Kulturdenkmälern Athens begleitet von einem enormen Wissenszuwachs, der zunehmend auf Kosten der Minderheit der Männer ging: Wer weiß - vielleicht hatte die Schutzgöttin Athene ja ihre Finger im Spiel ? Auf jeden Fall war sie maßgeblich an der Namensgebung der griechischen Hauptstadt und dem Aufbau der Akropolis beteiligt, denn nachdem wir auf den Wegen von Griechen, Türken und Persern gewandelt sind, erstreckten sich vor uns die prächtigen Tempelanlagen Athens und der Ölbaum, der bis heute symbolisch Athenes Sieg gegenüber Poseidon um die Schutzherrschaft Athens widerspiegelt. Eben jene Stadt, die sich uns zu diesem Zeitpunkt in einem Meer von weißen Gebäuden als Ausblick von der Akropolis erstreckte.

Diese Mannigfaltigkeit musste dann auch gleich darauf erkundet werden. Und so schieden sich von da an die deutschen Geister auf athenischem Grund und machten sich auf, die Altstadt sowie die Shopping-Malls zu erkunden und dadurch ein Stück griechischer Kultur aufzunehmen. Dies gelingt natürlich gleich viel besser, wenn man zwei griechische (Alltags-)Heldinnen  ausmacht, die unsere kleine Teilgruppe vor einer Odyssee durch die Hauptstadt Griechenlands bewahrt haben und die uns freundlicherweise den Weg durch Wirrungen und Irrungen athenischer  Nebengassen geführt haben. Ein Schritt aufwärts in Sachen Deutsch-Griechisches Verhältnis! Schließlich endete der Tag jedoch mit einem sättigenden Abendessen in einem urigen Restaurant, müden Gesichtern und ein paar Wagemutigen, die es sich doch nicht nehmen ließen, den Athener Hafen Piräus zu erkunden, der mit seinem Lichtermeer und der lauen Brise den Abend entspannt ausklingen ließ.

Dienstag: Wenn es um nichts Geringeres  geht als die innere Wahrheit…

Von Josephine und Zoe

Τα λέμε αργότερα (Bis später) Athen und Γεια σας (Hallo) Delphi! Der „Tag der Wahrheit“, so Herr Heuer-Strathmann aus der Speakers Corner des Reisebusses, begann mit einem nährenden kontinentalen Frühstück und einer dreistündigen Busfahrt und führte die Gruppe junger Zöglinge durch anmutend göttliche Höhen, zwischen Bergen und Abhängen zu Hermes. Weniger der „zuverlässige“ Paketdienst, als vielmehr das kleine Hotel mit der malerischen Aussicht und dem Fahrstuhl ohne Innentür. Nach einem kurzen organisatorischen Aufenthalt brach die Gesellschaft auf, sich zu bilden über die Götter, die durch den roten Staub der trockenen griechischen Gründe gewandelt sein sollen. Die archäologische Ausgrabungsstädte, das Orakel selbst und die steilen Hänge auf dem Weg von einem zum anderen hinterließen bleibende Eindrücke.

Aus einem leisen Flüstern, dass fast aus der Richtung des Heuer-Strathmann hätte kommen können, mag einer etwas in der Art „Der Abgrund für die Liberalen“ und einen politisch-satirischen Kommentar über die FPD herausgehört haben. Ein Kurzvortrag über das Orakel verwandelte sich in ein stummes Theater und einen kurzen, filigran gereimten Freestyle von demselben Flüstern wie zuvor. Nach einer kleinen, von Katzen begleiteten Kaffeepause beendete ein Museumsbesuch den kulturellen Aspekt dieses Tages und der Abend fand mit einer Versammlung der „Werwölfe“ und ein paar zerlegten Dörfern sein Ende.  

Mittwoch: Wenn eine Busfahrt gar nicht mehr enden will…

Von Charly und Judith

Nach der bereits antrainierten Tortur des frühen Aufstehens wurde, wie am Vorabend betont, Punkt halb Zehn das Frühstück in Delphi beendet, um sich ab zehn Uhr auf den Weg zum ‘Meer’ zu begeben. Jenes Meer wurde um 10:30 Uhr erreicht und stellte sich für die wissbegierigen Schüler als "der Golf von Korinth" heraus. Hier verbrachten wir eine Stunde damit, die Füße nass zu machen und Fotos zu knipsen, worauf hin wir sehr entspannt und bereit für die weitere Busfahrt nach Kalambaka waren. Die etwa fünfstündige Fahrt und die Steppenlandschaft wurden nur von einer Raststätte unterbrochen, auf welcher wir durch ein warmes Mittagessen, aber vor allem auch durch die sanitären Anlagen beglückt wurden.

Unsere Ankunft war um 16:15 zu verzeichnen, wir bezogen die Zimmer, zogen Badesachen an und ab ging es zum Pool. Nach einem deftigen Abendessen zog ein Teil der Truppe in die Innenstadt Kalambakas. Hier wurden noch die letzten Last-Minute-Geschenke und Kaffees erworben, bis es dann um 21:30 Uhr zurück zum Hotel ging, wo sich unsere Reisegruppe erneut bei vielen Runden des Gesellschaftsspiels ‘Werwolf' vergnügte.

Donnerstag: Wenn es in himmlischen Höhen so richtig spirituell wird…

Von Anna und Marie

Kurz vor Abfahrt schlichen die ersten müden Augen in den Frühstückssaal. Die große Auswahl – nicht nur Fetakäse und griechischer Joghurt- stellte das heutige Zeitmanagement auf eine harte Probe. Schließlich sollten heute alle mit gepackten Koffern schon um 8:30 Uhr im Bus sitzen. Doch irgendwann setzte sich der Bus dann doch in Bewegung.

Das Gebiet, durch das wir fuhren, wurde schließlich immer hügeliger. Herr Heuer-Strathmann hatte uns vorgewarnt: wir würden einige wagemutige Kletterer zu Gesicht bekommen. Und tatsächlich waren heute ein paar Frischluftjunkies unterwegs, die in der nebeligen Landschaft anscheinend das große Abenteuer suchten.

Eine halbe Stunde später setzte uns der Busfahrer schließlich an der ersten Haltestelle ab. Gefühlte tausend Treppenstufen über uns befand sich das zweitgrößte Metéora-Kloster, das Varlaám-Kloster, das mit seinem steinigen, rutschigen Aufgang vergleichsweise leicht zu erreichen ist.

Es gibt einen Vorhof, einen renovierungsbedürftigen Pavillon, das eigentliche Kloster und jede Menge Touristen, die sich der Kleiderordnung entsprechend Röcke über die Jeanshosen gezogen hatten. Die heutigen Kurzvortragenden hatten gegen die laute vorbeirauschende Menschenmenge stimmlich anzukämpfen, was nicht immer einfach war. Nachdem wir jedoch hinreichend über die Metéora-Klöster und die griechisch-orthodoxe Kirche informiert wurden, wurde uns auch der Freigang gewährt und wir betraten das Klostergebäude. Es roch nach Weihrauch. Überall, wo wir hingingen, schauten uns Maria, Jesus oder strenge und alte Männer über die Schulter. Ein Realexemplar in Schwarz lief uns dabei immer wieder über den Weg. Alles Gold, alles alt, alles Weihrauch und die Aussicht war atemberaubend schön. Das kleine Museum im Untergeschoss hat neben der klösterlichen Historie auch ein paar sehr, sehr alte Bischofskluften anzubieten. Der hauseigene Shop darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben….

Vollbepackt zurück im Bus fuhren wir zum nächsten Kloster. Nicht des Klosters, sondern der Aussicht wegen, die uns laut Busfahrer zu einem richtigen Fotoshooting verleiten sollte. Dort angekommen entpuppten sich jedoch vier kleine Katzenbabys als die wahren Shootingstars, die müde umhertapsten. So rückte das Panorama dann doch eher in den Hintergrund. Eine Rettungsaktion war nötig, um ein kleines Wollbündel aus einer Mülltonne zu befreien (#azizeistderhelddestages).

Nach dem kurzen Zwischenstopp bewegten sich alle wieder in Richtung Bus und auf nach Athen. Je weiter wir die Metéora-Klöster hinter uns ließen, desto schwerer wurden die Augenlider, desto ungeduldiger wurde die hungrige Meute. Zwei Raststätten später hatte letztendlich niemand mehr wirklich Lust auf Busfahren und als schließlich die ersten Vorstadthäuser Athens zu sehen waren, machte sich müde Erleichterung breit.

Das Hotel und die U-Bahn kamen einem seltsam vertraut vor und plötzlich war die erste Melancholie zu spüren, denn es ging alles ja doch ziemlich schnell. Ablenkung verschaffte uns der Grieche, bei dem wir zum Abendessen blieben. Ein letztes Mal Gyros. Ein letztes Mal Fetakäse.

Zum vermeintlichen Ende des Tages hin wurde es noch einmal richtig aufregend, da es so einige Geburtstagsvorbereitungen zu treffen galt. Im Supermarkt suchte man nach Essbarem, am Pool auf der Dachterrasse wurde so mancher beim Ballonaufpusten vor dem kurz bevorstehenden Erstickungstod gerettet und auch für Musik wurde gesorgt.

Am Ende trieb eine Schar bunter Luftballons im Pool umher, später landete sogar ein Stuhl im Wasser, ob aus Absicht, um dem Geburtstagskind einen ganz besonderen Platz auf dem Geburtstagsthron unter Wasser zu bescheren, oder nicht, weiß man nicht. Getränke und Essen standen bereit, nur das Geburtstagskind ließ auf sich warten. Gegen 23 Uhr tauchten dann auch die letzten fehlenden Gesichter, einschließlich Hauptperson des Abends, auf und es wurden gemeinsam die Minuten bis zum großen Moment gezählt. In der Zwischenzeit begnügte man sich mit Chips und Cola und vor allem mit Herr Heuer-Strathmanns mitreißender Tanzeinlage. Pünktlich, wie wir Deutsche sind, um 24 Uhr landete der nun dem Klan der Volljährigen Angehörende im Pool und durfte sich laut bejubeln und beglückwünschen lassen. Dass es nach deutscher Zeit gerade erst 23 Uhr war, störte niemanden, Pech bringt das in Athen nicht, dafür gibt es zu viel Segen von den Göttern. Die Jubellaune wollte nicht anhalten: So landeten noch zwei weitere Personen mit im Pool, wodurch eine meterhohe Fontäne entstand, die das musikspielende Gerät leiden ließ.

Zur Krönung des Abends wurde das Geburtstagskind von den Lehrkräften gekrönt und - wie es sich gehört - mit einem nicht zu unterschätzenden großen Reich, von der Größe einer ganzen Handfläche, beschenkt.

Und so bleibt nur noch weniges zu sagen:

Happy Birthday, Florian! Gute Nacht, Athen! Auf ein nächstes Mal…