Ex-Adolfiner Johannes Seiler liest in der Bückeburger Stadtbücherei


Ehemaliger Koordinator des Adolfinum als Romanautor und Blogger

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Johannes Seiler im Adolfinum als Deutschlehrer oder Theaterpädagogen kennen gelernt haben, nimmt ab. Auch im Kollegium werden nur wenige wissen, dass Seiler entscheidend dazu beitrug, Darstellendes Spiel zum ordentlichen Schulfach des Bückeburger Gymnasiums zu machen - zunächst im damaligen Wahlpflichtbereich, dann in der Gymnasialen Oberstufe. Eine ganz andere Seite des gebürtigen Rheinländers wurde deutlich, als er - eigentlich fachfremd, und doch kompetent - im Fach Latein einsprang und Einführungsunterricht gab. 

Wenn Johannes Seiler nun am 21. Oktober ab 17 Uhr in der Stadtbibliothek als Autor und Blogger zu erleben sein wird, werden im Auditorium sicherlich auch einige Gäste sein, für die der zünftige Handwerkername automatisch mit JUST verbunden ist - einer freien Theatergruppe, die sich nicht nur im Schaumburger Land einen guten Namen gemacht hat. Bei einzelnen Theaterproduktionen war Seiler nicht nur als Regisseur und Akteur zu erleben, sondern auch als eine Art Co-Autor, der sich dem Publikum verpflichtet weiß und die Sprache liebt, schon wegen des Ungesagten.       

"Aus  dem Arbeitsalltag eines spätberufenen Schreibers" ist die Lesung überschrieben. Aus zwei bislang unveröffentlichte Romanen wird es Kostproben geben, etwa aus dem in der minoischen Zeit angesiedelten Epos "Die fast schon vergessene Botschaft vom Glück". Mit "autobiografischen Blättern" geht es Richtung Rhein, zu den eigenen Wurzeln. Eine Klosterschule öffnet ihre Tore. Die "Hauptstadt" Bonn zeigt sich als Universitätsstandort, eine Schädelstätte des Geistes, die schon einen Namen hatte, ehe konservative Politiker wie Adenauer und Erhard prägend wurden und Wolfgang Koeppen mit "Das Treibhaus" zum Geheimtipp. Dass es Johannes Seiler - diesmal an der Seite seiner Frau - wieder Richtung "Drachenfels" und "Beethovenhalle" gezogen hat, ist kein Geheimnis. Dass JUST nach "NIchts" dennoch wenigstens noch einmal zu Werke geht, ist ein Versprechen.

Wer Johannes Seiler ein ganz bisschen näher kennt, wird nicht mit einer Lesung traditionellen Typs rechnen. Von "Brot und Wein" ist in der Einladung allerdings nicht die Rede. Und doch wird man an diesem Abend mal an Hölderlin denken dürfen, an Hunger und Durst im geistigen und im geistlichen Sinne. Wer mit hinauf will auf den "Olymp", bekommt ene Karte für drei Euro in der Stadtbücherei, ebenfalls in der städtischen Begegnungsstätte und vielleicht  - so es den Göttern Griechenlands gefällt - auch noch an der Abendkasse.

Volkmar Heuer-Strathmann