Clara Kaiser gewinnt den Vorlesewettbewerb am Adolfinum

Keine Spur von einer Krise der Lesekultur

Die Siegerin überraschte: Clara Kaiser aus der Klasse 6.1 las einen ihr bislang nicht bekannten Text noch besser vor als den vertrauten, das musste einfach belohnt werden, da musste sich der ebenfalls souverän auftretende David Petrov aus der Klasse 6.4 mit dem zweiten Platz begnügen.

Von einer Krise der Lesekultur war auf jeden Fall nichts zu spüren, als die Klassenbesten des 6. Jahrgangs mit einem Kinderbuch in der Hand zum Finale antraten. Alexa Helfrich (Klasse 6.5), Silas Biskup (Klasse 6.3) und Henrike Spier (Klasse 6.2) waren ebenfalls mit von der Partie. Die Kinder hatten Passagen mit heiteren und verwickelten Handlungen ausgewählt, mal ging es besonders spannend zu durch zügig geführte Handlung und Bedrohliches, mal stand eine ulkige Figur im Vordergrund oder Phantastisches. Die fünf Bücherfreunde verstanden es, mit wenigen Hinweisen in das Werk einzuführen.

In der Jury saßen neben den fünf Zweitplatzierten der 6. Klassen die Buchhändlerinnen Maria-Rosa Pruneddu und Kerstin Lorenzen. Sie hatten wieder großzügige Buchspenden der Buchhandlungen Frommhold und Scheck im Gepäck. Alle Teilnehmer konnten später nach einem Titel ihrer Wahl greifen, man sah nur strahlende Gesichter. In der Jury durfte Christine Busch als Leiterin der Bücherei des Adolfinum ebenso wenig fehlen wie Manuela Reichardt, die Fachobfrau für Deutsch. Mareike Warner hatte als Organisatorin der Veranstaltung natürlich auch Stimmrecht.

Die Juroren machten kein Hehl daraus, wie schwierig es ist, der Leistung gerecht zu werden. Korrekt lesen ist schließlich nur der Anfang. Silas Biskup, der Drittplatzierte, wagte immer wieder den Blick zum Auditorium. David Petrov zeigte Gespür für Atmosphäre und Mut zum Innehalten. Die Siegerin schließlich muss Figuren nicht lange kennen, um sie so sprechen zu lassen, dass die Grenze zum Schauspiel gewahrt bleibt. „Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet“ von Antje Herden bot gute Gelegenheit, so vorzulesen, dass eine Welt entsteht, in die man tiefer eindringen möchte.

Clara Kaiser kann demnächst beim Kreisentscheid in Stadthagen zeigen, was eine sichere, tragende Leserstimme für Vorstellungen zu wecken weiß, wenn das rechte Maß an innerer Regung mitschwingt.

Volkmar Heuer-Strathmann