„Follow the green Rucksack“ - hinein ins Abenteuer!

Kleiner Bericht von der Studienfahrt nach Rom

Von Helena Sonnet

Sonntagmorgen, 7:25 Uhr, Bückeburger Bahnhof.

Man schaut in die müden, aber aufgeregten Gesichter von 19 Schülern und zwei Lehrkräften des Adolfinum. Die Müdigkeit schwindet, die Vorfreude steigt – Verabschiedung…

Durch den IC Richtung Düsseldorf ertönen italienische Vokabeln „aus der Konserve“: „Due ragazzi, tre ragazze e cinque bottiglie di vino“. Manche Vokabeln bleiben hoffentlich auf der Studienfahrt unbenutzt.

Von Düsseldorf aus geht es über die Alpen hinweg – zum Glück im Flugzeug und nicht auf Elefanten – in die Hauptstadt Italiens. Auf den Straßen Roms herrscht Anarchie und Chaos, entgeistert beobachtet man Fahrmanöver, die manch einem Deutschen einen Herzinfarkt bescheren würden. Verkehrsregeln, kann man das essen?

Der Bus erreicht trotzdem unversehrt sein Ziel: „Camping Village  Fabulous“ heißt uns für die kom­men­de Woche willkommen. Man macht es sich gemütlich in den Bungalows, inspiziert kurz den Pool, Abendessen…

Am nächsten Morgen (Montag) geht es los. Andiamo! Rein in das Getümmel der Hauptstadt, Dottore Reuter führt an und Signora Grande-Cane bildet die Nachhut, damit uns auch keiner verloren geht. Doch so ganz geht dieses Prinzip nicht auf... „Follow the green Rucksack“ heißt es; leichter gesagt als getan, wenn Herr Reuter samt heiligem grünen Rucksack voraussprintet und gefühlte 98% des Kurses samt Frau Hundrieser in den Massen Roms zurücklässt.

Wie sich herausstellt, ist die Stadt der „Wölfin“ nicht nur eine Stadt von lebhaftem Italienisch, sondern auch eine von vielen anderen Sprachen. Wir Adolfiner kommunizieren multilingual, das gebrochene Italienisch geht schnell ins Englische über, andere bevorzugen Spanisch, wiederum andere versuchen ihr Glück mit Französisch. Und hört man genau hin, so vermag man auch das ein oder andere verzweifelte lateinische Wort in einem Satz versteckt finden. Ansonsten einfach mit Händen und Füßen, den Italiener scheint es nicht zu stören.  

Bei einem ersten Stadtrundgang erlaufen wir uns verschiedene Schauplätze Roms: Die Spanische Treppe, der Trevi-Brunnen, Pantheon, die Piazza Navona. Zu jedem Ort gibt es einen Kurzvortrag, schließlich sind wir nicht nur zum Spaß nach Rom gereist. Am späten Nachmittag dann noch ein Einblick hinter die Kulissen der Cinecittà-Filmstudios, wo u.a. alte Filmklassiker wie „Cleopatra“ und „Ben Hur“, Szenen für den 007-Streifen „Spectre“ und Martin Scorseses „Gangs of New York“ sowie große Teile der HBO-Serie „Rom“ gedreht worden sind.

Am Dienstag geht es mit dem antiken Rom weiter. Wir stehen inmitten der Überreste des Circus Maximus, laufen bei gefühlten 30 Grad Hitze durch das Forum Romanum, das Herz des alten Roms, erklimmen den Palatin und schauen hinab auf die über 2000 Jahre alten Ruinen einer Weltmacht. Danach ins Colosseum, das seinerzeit ca. 50.000 Menschen Platz für Brot und Spiele bot. Selbst im Jahre 2016 ist es immer noch gut besucht, auch wenn man jetzt, anstelle von Gladiatoren und Löwen, eher Touristen begegnet.

Abends, zurück auf den Verandas unserer Bungalows, setzt man sich in Gruppen zusammen. Manch einer versucht sich beim Kochen, andere eilen lieber sofort zum Take-Away und probieren echte römische Pizza. Musik schallt durch die Luft, man „chillt“, spielt „Uno“ oder „Die Werwölfe von Camping Fabulous“.

Unsere Reisegruppe hat sich mittlerweile allerdings vergrößert. Auf dem Campingplatz gibt es eine Vielzahl herrenloser Katzen, die um die Gunst der Gäste buhlen. Frau Hundrieser kann nicht widerstehen: Im Supermarkt von „Camping Fabulous“ wird umgehend Katzenfutter gekauft und auf der Veranda ihres Bungalows aufgestellt. Insbesondere ein Kater, mit fehlender Ohrspitze, ist von diesem Luxus sehr angetan. Da auch für Streicheleinheiten gesorgt wird, zeigt „Van Gogh“ keinerlei Interesse, diesen Ort jemals wieder zu verlassen. Die Katzen-Lady sitzt ab sofort jeden Abend auf der Veranda ihres Bungalows, einen zufriedenen Kater auf ihrem Schoß, während sie die nächtlichen Aktivitäten der Schüler mit wachsamem Auge beobachtet. Und „Van Gogh“, das spontan adoptierte Neu-Mitglied des Seminarfach-Kurses, verteidigt in den nächsten Tagen hartnäckig – und sehr angriffslustig – seine Privilegien gegen andere Aspiranten wie „Michelangelo“ oder „Monette“, die ebenfalls versuchen, in den Kreis der Adolfiner aufgenommen zu werden.

Am Mittwoch wird ein Ort der ewigen Ruhe aufgesucht, die Domitilla-Katakomben, deren jahrtausendealte Gräber sich über 17 km lang unterhalb der römischen Außenbezirke erstrecken, außerhalb der seinerzeitigen Bannzone des Römischen Imperiums. Insgesamt gibt es übrigens mehr als 60 solcher Katakomben-Komplexe, die – zusammengerechnet – rund 250 km ausmachen.

Die Führung des Paters ist ein absolutes Highlight, die Gruppe hängt an seinen Lippen. Hier unten befindet man sich in einer ganz anderen Welt, die einstündige Besichtigung vergeht wie im Flug. Vergesst langweiligen Geschichtsunterricht, hier werden Historie und Entertainment in Perfektion verschmolzen. Beeindruckt bewegt man sich durch die unterirdischen Gänge, bitte nah zusammenbleiben, es soll niemand verlorengehen, wir suchen schon seit Jahren nach Vermissten. Die Luft ist kühl und dumpfig, und dann kommt die Herausforderung: Die gesamte Gruppe soll sich in einem kleinen Familiengrab zusammenkauern, sukzessive wird das Licht ausgeschaltet, um die „absolute Dunkelheit und vollkommene Geräuschlosigkeit“ zu erleben. Die Herzen von 21 Adol­finern schlagen höher, als wir danach wieder die Wärme der römischen Sonne auf unserer Haut spüren.

Im Anschluss daran marschieren wir noch eine geraume Weile auf den Steinen der Via Appia Antica, der ältesten Straße Roms die – so  Dottore Reuter – bis nach Griechenland führt. Man witzelt, dass man doch den Kurs von einem gewissen Herrn Heuer-Strathmann besuchen könnte, doch dieser Weg ist uns dann doch entschieden zu weit. Deshalb kehren wir zu unserem „Camping Fabulous“ zurück, und der Nachmittag wird ganz entspannt individuell verbracht (am Pool, im Shopping-Center usw.). 

Der Donnerstag steht ganz im Zeichen der Religion, man begibt sich zum Zentrum des katholischen Glaubens, dem Petersdom. In den Vatikanischen Museen gibt es Unmengen an Kunst, doch von einem entspannten Besuch kann nicht die Rede sein, man fühlt sich eher wie ein Schaf, das in einer riesigen Herde durch die Gänge und Räume der Museen gedrängt wird. Die schiere Masse an Menschen ist unfassbar! Zigtausende Menschen aus aller Welt versammeln sich in der Sixtinischen Kapelle, um die Kunst Michelangelos zu bewundern. No fotos, please, keep on walking.

Im Petersdom ist ein Aufatmen dann wieder möglich. Der geräumige Palast ist ein Prachtwerk der Architektur, und selbst die protestantischen Schüler aus Bückeburg verfallen ins Staunen. Danach die Engelsburg. Von der Terrasse aus wird die Aussicht auf die Skyline Roms studiert und ein weiterer Tag findet sein Ende.

Freitags bricht man sehr früh auf, dieses Mal mit einem etwas anderen Ziel. Es geht in das „Foro Italico“, das von Mussolini im Namen des Faschismus erbaute Olympiagelände, das aus dem teuersten Marmor der Welt erbaut wurde, die „Überlegenheit der Herrenrasse“  demonstrieren sollte und von Adolf Hitler als Inspiration genutzt wurde. Tja, wer kann schon von sich behaupten, dass er auf echtem Marmor gewandelt ist.

Am Nachmittag nutzen einige Schüler noch die Gelegenheit, mit Dottore Reuter die Ruinen der ehemaligen Hafenstadt Roms (Ostia Antica) zu besuchen, und springen dann mit dem Sonnenuntergang ins Mittelmeer. Der müde Rest der Gruppe kehrt mittlerweile mit Frau Hundrieser zum Campingplatz zurück, genießt noch einmal die Fluten des Pools und lässt die Fahrt entspannt ausklingen.

Abschiednehmen heißt es, am Samstagmorgen. Signora Hundrieser muss sich morgens schweren Herzens von „Van Gogh“ verabschieden – was er jetzt wohl gerade macht? –, und der grüne Rucksack gibt ein letztes Mal den Weg vor. Müde und abgekämpft, aber voller Erlebnisse kehren wir am Samstagabend nach Bückeburg zurück.

Man hält fest: Rom ist unglaublich spannend! Eine historische und eine auch moderne Stadt, in der sich Antike und Gegenwart die Hand geben. Viele von uns wollen gerne zurückkehren.

Also… eine Münze in den Trevi-Brunnen (vielleicht ja sogar zwei oder drei...), und dann hoffen wir, dass Jupiter uns hilft.