Fachvortrag im Adolfinum : Stress - kein Problem?

Viele Schüler in Deutschland  klagen über Belastungen

Von Jonas Markworth

Wer kennt ihn nicht? Den Stress. Es gibt wohl kaum jemanden, der behaupten würde, nie Stress zu haben. Doch wo liegen eigentlich seine Ursachen und wie geht man damit um? Genau darum ging es in einem Fachvortrag von Professor Doktor Arnold Lohaus von der Universität Bielefeld. Dank der erst vor kurzem gegründeten Arbeitsgruppe "Achtsamkeit" konnte der Experte in unserer Schule berüßt werden. Sein Thema: "Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter".

Zunächst ließ sich feststellen, dass die Stresshäufigkeit bei Schülern sehr präsent ist. In einer von der Uni Bielefeld durchgeführten Umfrage stellte sich heraus, dass ca. 60 Prozent der befragten Schüler angaben, regelmäßig unter Stress zu leiden.

Dieser Stress führt bei den Schülern zu unterschiedlichen Symptomen. Einerseits treten diese körperlich auf, zum Beispiel durch regelmäßige Kopf- oder Bauchschmerzen. Andererseits kann sich Stress auch psychisch äußern, unter anderem durch starke Unruhe.

Stress kann dabei auf unterschiedliche und oft sehr komplexe Weise ausgelöst werden. Zunächst muss man sagen, dass Stress schon immer präsent war, jedoch haben sich die Zustände - laut Professor Lohaus - in den letzten Jahren deutlich geändert. So sind die Erwartungen der Eltern an das einzelne Kind deutlich höher, da moderne Familien oft nur ein bis zwei Kinder haben. Außerdem gibt es das Smartphone als "Zeitverdrängungsmedium" erst seit einigen Jahren. Es ist jedoch ein wesentlicher Auslöser für Stress, da es den Jugendlichen die Zeit raubt, die sie unter anderem zum Lernen bräuchten. Außerdem gibt es singuläre Ereignisse, die zwar auch Stress verursachen, jedoch müssen sie meist nur einmal bewältigt werden. Alltägliche Spannungen dagegen stellen ein dauerhaftes Problem dar und sind daher schwerer zu lösen.

Aber wie gehe ich jetzt mit dem Stress um? Daran sind zwei Parteien beteiligt: man selbst und das eigene Umfeld. Wichtig ist für einen selbst, so der Experte, dass man seine Probleme reflektiert und sich selbst wertschätzt. Zu diesem Thema führte man seitens der Uni Bielefeld bereits Programme zur effektiven Bearbeitung einer Problemsituation in Schulen durch.

Im Laufe des Vortrages kam die Frage auf, ob das Adolfinum auch von solchen Schulungen profitieren könne. Schulleiter Pavel machte daraufhin zwar keine genaue Angabe, man wolle sich jedoch nach der Schulinspektion genauer mit dem Thema auseinandersetzen.

Eine große Verantwortung besteht auch für das jeweilige Umfeld. Die Integration in die Schule und eine allgemeine Hilfsbereitschaft fördern den Stressabbau. Bei der Stressbewältigung in der Schule tragen letztendlich alle dieselbe Verantwortung, egal ob Schüler, Lehrer oder Eltern: "Versuchen wir das Beste eines jeden Menschen zu erkennen, den anderen im bestmöglichen Licht zu sehen. Diese Einstellung erzeugt sofort ein Gefühl der Nähe, eine Art Geneigtheit, eine Verbindung." (Dalai Lama)