Kollegiumsausflug 2016 führt nach Neustadt am Rübenberge


Sektkellerei  Duprès bietet viel Edles im Schloss "Landestrost"   

Der Rübenberg ist nicht eben bekannt für seine Weingüter, seine Stöcke und Reben. Mit einem klebrigen Sirup wäre eher zu rechnen. Dennoch beherbergt die Stadt an der  Leine seit 1888 eine Sektkellerei, die durch entsprechende deutsch-französische Verbindungen auf den Handelsnamen Duprès lautet. Kollmeyer Fritz klingt ja auch nicht so prickelnd. Dabei taugte der Bursche, der da aufbrach im 19. Jahrhundert Richtung Südsee, um später - etwas weniger weit entfernt - in Reimes zu eigener Reife zu gelangen, durchaus zur Legende.

Besagte Sektkellerei im Schloss "Landestrost" war das Ziel des diesjährigen Kollegiumsausflugs, die "erste Adresse für Sekt, Sekt alkoholfrei, Champagner, Wein und erlesene Spirituosen", wie es im Internetauftritt des Familienbetriebs heißt.  "Erlesen und spritzig" - so kann man auch die kleine Lektion etikettieren, die Kellermeister Dietrich Walloschke den Bückeburgern bot. Sprachwitz kam nicht zu kurz, als es um die perlenden kleinen Perlen ging - das Qualitätsmerkmal schlechthin.  Man parlierte und brillierte, ehe man durch den Keller spazierte, um sich später - voll und ganz im Anforderungsbereich III - ein eigenes Urteil über das Angebot zu bilden.

Was "Flaschengärung" lieb und teuer macht, war zu erfahren. Mit der "Sektsteuer" ging es tiefer hinein in die Geschichte. Kaiser Wilhelm II. schwebte Anfang des  20. Jahrhunderts ein größenwahnsinniges Flottenprogramm vor, dessen Realisierung  einige Reichsmark kosten würde. Da zapfte man kurzerhand auch mal die Genießer an, die Wohlhabenden, die Wohllebenden. Daran haben noch nicht einmal die Liberalen gerüttelt: "Ein Euro pro Flasche, das gilt - ganz unabhängig vom Preis!" Da braucht es Landes Trost. Was die "Rüttler" leisten, wenn sie die Flaschen schütteln, damit die Chemie stimmt, wussten die Lehrkräfte zu würdigen. Zigtausend Flaschen am Tag, das fordert Respekt ab. Zwischendurch mal ein Tröpfchen "Duprès  Hugo" zur Baguettezeit  - undenkbar!   

Von "Asti" war ebenfalls die Rede, von "Secco" und  "Champagner" - dem Inbegriff der gehobenen Sektkultur. Einen Champagner lässt man gerne stehen, das ist so. Man weiß ja nie, ob es nicht noch geeignetere Anlässe geben wird auf Erden. Eine höhere Gehaltsstufe, irgendein Plus auf dem Lebenskonto, ein Glücksfall, ein Losglück oder ein Filetstück? Stirbt ein Zauderer, ehe der Korken knallt, lachen die Erben: "Santé!" Dem Eitlen, der nur prahlt und protzt, statt die Geister aus der Flasche zu lassen, geht es kaum besser hienieden. Das Weitere wird sich zeigen: "Prosit!"

Weiterverschenken schadet den Perlen nicht, das liegt in der Natur der Flasche, das macht der Halsverschluss. Kork, Draht und ein paar Kniffe, mehr braucht's nicht. Die herrliche Trockenheit, dieser Morgentau, dieser Herztschrittmacher hat seine Zeit. Der Beschenkte fühlt sich hinreichend geehrt, die Flasche bleibt ungeleert. Die Geschichte des  Schenkens muss kein Ende haben. Die Preisfrage wurde natürlich nicht vergessen bei diesem Ausflug einer munteren Schar aktiver und deaktivierter Pädagogen in die Welt des Weingeists, organisiert und angeführt vom Personalrat. "Gut gewählt!", konnte man Agnes Bergmann-Thiel attestieren. Im nächsten Jahr dürfte es etwas deftiger zugehen, weniger feingeistig, aber nicht ärmer an Lebensweisheit, wenn das Kollegium - sicherlich in weit größerer Zahl - aufbricht nach Leipzig, um auf den Spuren der Herren Mephistopheles und Faust lustzuwandeln bis zur Goethekult- und Kulturstätte "Auerbachs Keller".  

Dass Alkohol für manchen Menschen das Problem ist, als dessen Lösung es sich ausgibt, muss hier einmal gesagt werden, da so viele Schülerinnen und Schüler unseres Hauses keinen Tag ohne Homepageaufruf und Textlektüre vergehen lassen.

Volkmar Heuer-Strathmann