Wenn zum Schuljahresbeginn die Nationalhymne angestimmt wird...

Adolfiner zu Gast im „19. Lyzeum der Warschauer Aufständischen“

Polen ist im Fach Politik-Wirtschaft am Adolfinum natürlich ein Thema: Wird der Protest auf den Straßen gegen die Politik der rechtskonservativen Regierung Wirkung zeigen? Wie wird die Europäische Union reagieren, wenn die Gewaltenteilung allmählich in Schieflage gerät? Während sich Schüler wie Marco Brudy und Erik Ellerbrock darüber im Leistungskurs den Kopf zerbrechen, bekommen die Mitschüler aus dem 11. Jahrgang, die eine Woche in Polen zum Schüleraustausch weilen, einen anschaulichen Eindruck von der Bedeutung der EU für die wirtschaftliche Entwicklung in Polen. Auch die begleitenden Lehrkräfte Maria Robben-Jones und Christel Ewen sind beeindruckt von Warschaus Ausstrahlung als Metropole mit moderner Architektur und Infrastruktur.

 

Lena Pilzecker, Käthe Hildebrandt und Lynn Jedamski erzählen später, dass man sich überwiegend auf Englisch verständigt habe. Die deutschen  Schüler waren in Familien untergebracht, man hat im "19. Lyzeum der Warschauer Aufständischen" ein wenig am Unterricht teilgenommen und ist angesichts "regelmäßiger Verspätung" von polnischen Schülern, so Robben-Jones, ein bisschen verwundert gewesen über den lockeren Umgang mit der Unpünktlichkeit. Insgesamt sei man sich durch den Besuch noch näher gekommen, bilanziert die Reiseleitung.

 

Besonderen Eindruck hat die Eröffnungsfeier zu Beginn des neuen Schuljahres hinterlassen. Alle Schüler der Oberstufenschule waren in Schwarz-Weiß angetreten,  die polnische Flagge mit dem Doppeladler wurde feierlich hereingetragen, dazu sang man die Nationalhymne. Der Text ist nicht ohne Brisanz, denkt man an die Rolle Deutschlands in der Geschichte Polens: "Noch ist Polen nicht verloren, solange wir leben. Das, was fremde Übermacht uns raubte, werden wir mit dem Schwert wiedergewinnen."

Mitten hinein in die wechselvolle Geschichte ging es durch die Reise nach Kraków. Das ehemalige Krakau war das zweite Ziel der Bückeburger. Dort gefiel die Altstadt besonders. Natürlich machte man auch einen Abstecher nach Wieliczka, wo ein Museum unter Tage zeigt, was das Salz der Erde ausmacht. Eine vollständig erhaltene Kapelle stimmte manchen Besucher noch andächtiger und ehrfürchtiger. Heute gut gesichert, steht das Museum auch für Gefährdungen und Grenzüberschreitungen. Wirtschaftlich ist es wichtig als touristische Attraktion, als Standortfaktor, der Reaktionen hervorruft, die die deutschen Schüler als Kommentar unter einer Klausur sicher eher nicht lesen wollen: "Einfach unterirdisch!" 

Volkmar Heuer-Strathmann