„Tschick": nach Hörbuch und Hörspiel nun als Spielfilm

Fatih Akins Road Movie in Schaumburger Kinos angelaufen

"Tschick" ist Schulstoff geworden. Der Autor hat das nicht verhindern können. Dass das Buch auf dem Weg in die Arbeitsblätter und Lernzielkontrollen nicht alles verlieren muss an Sprengkraft, würde den Autor wohl trösten, der schon sterbenskrank war, als er den Roman schrieb. Er hat die Erfolgsgeschichte des Werks nicht mehr erleben können. Fatih Akin hätte er womöglich autorisiert, sich als Filmer ans  Werk zu machen, das darf man glauben. Nun hat der erfolgreiche Filmemacher seine Adaption vorgelegt. Dass "Tschick" fast genau  eine Doppelstunde dauert, dürfte kein Zufall sein. So passt der Film in den Schulen optimal zwischen zwei Pausen.

Maik und Tschick sind mit einem gestohlenen Lada unterwegs Richtung Walachei. Viele Aufnahmen wirken, als hätten sie auch noch eine Kamera geklaut, um im Wagen und im Gelände alles hautnah aufzunehmen.  So geht Glaubwürdigkeit. Nur einen Oscar bekommt man dafür nicht. Aber viel Lob aus dem  Feuilleton zwischen "Zeit" und "SZ". Tristan Göbel und Anand Batbileg lassen vergessen, dass da am Set gearbeitet wird, mit Technik, mit Filmtechnikern. "Kein Sinn", sagt der Russe gern. "Man stirbt, wenn man nichts isst", sagt der Deutsche. So bekommt selbst Dosenfutter Sinn.

Wie viel Liebe zu einem Leben gehört, das den Namen verdient hat, lässt der Film offen - wie der Roman. Irrwege der Eltern darf man belächeln oder beweinen. Die Jungen darf man begleiten. Isa lernt man dabei auch kennen. Nicole Mercedes Müller bleibt eine Fremde im Müll. Ehe sie Maik miss braucht, muss sie weiter, sie hat keine Ruhe. Aniya Wendel als Tatjana wirkt dagegen sehr vertraut - nicht aus dem wirklichen Leben, sondern aus Film, Youtube und Fernsehen. Im Leben der deutschen Schulklassengesellschaft ist für Chick und Charme ihrer Art sicher nur Platz, wo noch nicht "Tschick" gelesen wird. Woanders steht längst an den Wänden: "Zu Partys laden wir stets alle ein!"        

Was für ein Schrecken, als die Reise jäh endet unter  quiekenden Schweinen auf der Autobahn. Dabei kannte man das ja aus dem Buch. Maik ist über den Berg. Aber froh wird man nicht mit ihm nach der Heimkehr. "Tschick" ist noch unterwegs. Wenn irgendwer ihn  irgendwo sieht mit seiner Stirnlappenfrisur und seinem asiatisch anmutenden Antlitz, sollte man ihn an den Termin erinnern im Juli 2066. Dann wollen die drei sich wiedertreffen, zwischen hier und Walachei, Hauptsache frei.

In Stadthagen und Rinteln läuft "Tschick" seit Donnerstag. Bückeburg wird folgen. Die Schaumburger Kinos würden auch Schulvorführungen durchführen, man muss nur mal anrufen.

Volkmar Heuer-Strathmann