Bei Novemberwetter von Bückeburg aus hoch hinauf in die Alpen

Klasse 6.4 zu Besuch bei "Heidi" im Schauspielhaus Hannover

Kleine Btrötchen backt man nicht in Hannover, auch nicht für die Kleinen. Wird "Heidi" auf die Bühne gebracht, ist es nicht das einfache Waisenkind, das die halbe Welt zu kennen glaubt durch die Romane von Johanna Spyri, durch Filme, Cassetten, Parodien und allerhand Beiwerk. "Heidi ist die Geschichte eines starken, optimistischen Mädchens, das sich seinem Schicksal nicht ergibt", heißt es in der Ankündigung. Grund genug, in die Landeshauptstadt aufzubrechen, um an diesem Bühnenleben teilzuhaben. 

Gesine Vespermann hat sich mit ihrer Klasse 6.4 ins Schauspielhaus begeben. Die Deutschlehrerin meint: "Das Theaterstück war insgesamt sehr schön und liebevoll gestaltet, durchaus auch noch passend für Sechstklässler." Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6.4 seien - zumindest in den ersten 60 Minuten, sehr gebannt gewesen von dem, was die Schauspieler dort auf der Bühne zauberten. Nur mit dem Echo aus dem Publikum habe es nicht so geklappt: "Was essen Studenten?", wird gefragt Das Auditorium denkt nicht an "Enten", man denkt an "Studentenfutter".

Auch die Besetzung der Rolle der lieben Oma Klara mit einem Mann in Frauenkleidern sei eher auf Verwunderung gestoßen als auf Begeisterung. Als DS-Lehrerin sagt Gesine Vespermann: "Heidi war sehr gut besetzt und am allerbesten sowieso Fräulein Rottenmeier oder Grotteneimer oder wie auch immer sie genannt wurde."

Das Theaterbühnenbild war der HAZ einen ganzen Artikel wert. "Sehr clever und beeindruckend", meint die Lehrkraft. Die Schüler aber habe die Tatsache gestört, dass die Schweizer Alpen des Großpapas nur durch eine Wand und eine Drehung um 45 Grad von Frankfurt entfernt gewesen seien. Ein Schüler spöttisch: "Von Erdkunde haben die aber wohl keine Ahnung beim Theater." Die Traumsequenzen, in denen die Alpenwelt in Heidis steriles Frankfurter Schlafzimmer projiziert wurde, stießen bei den Adolfinern auf wenig Begeisterung: "War doch klar, wovon die träumt!"

"Na ja, es ging", hieß es nach der Aufführung aus Schülermund über "Heidi". Das dürfte das Ensemble enttäuschen. "Ganz okay", war indessen auch zu hören.  Bei der Gesamtbetrachtung soll der Weihnachtsmarkt doch besser weggekommen sein.

Volkmar Heuer-Strathmann