"Nathan der Weise" - eine Kooperation von Schule und Theater

"Poetenpack" Potsdam wird von jungen Adolfinern unterstützt

Wie befreit man eine Figur wie Lessings „Nathan der Weise“ aus dem Reclam-Heft? Wie bringt man mehr Leben, mehr Wirklichkeit, mehr Gegenwart in das gedankenschwere Drama der Aufklärung? Mit diesen Fragen haben sich schon viele Regisseure herumgeschlagen. Das "Poetenpack" Potsdam hat eine Antwort, über die inzwischen nicht nur dort gesprochen wird, wo das Ensemble auftritt. 

Gemeinsam mit Schülern wird der Stoff in Szene gesetzt. Dabei sind junge Menschen mit Migrationshintergrund besonders willkommen. Schließlich geht es bei Lessing um die friedliche Koexistenz der Religionen und ein von Toleranz geprägtes Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens - von Nichtgläubigen, Agnostikern und Atheisten gar nicht erst zu reden. Ort der Handlung: Jerusalem. Historischer Hintergrund: die Kreuzzüge. Mancher aus dem Abendland sucht sein Heil im Morgenland - mit dem Schwert.

Dass bei der Kooperation ein Spektakel entsteht auf Kosten Lessings und seiner wunderbaren Sprache, muss nicht befürchtet werden. Das kann man gut und gerne den großen armen Häusern überlassen. Lessing wird angereichert, Religion wird miterlebbar durch Bräuche, Feste und Rituale, es wird getanzt, getraut und getrauert. Noch ist man im Adolfinum im Kurs ds 21 (Jg. 11) bei den Vorarbeiten (Foto). Anfang Februar wird ein Workshop mit den Potsdamern genutzt, damit die Schüler des 11. Jahrgangs Bühnenreife erreichen. Im Stoff sind sie sicher, dafür haben die Deutschlehrer sich abgemüht. Mit von der Partei sind am 21. Februar im Bückeburger Ratshausaal übrigens auch syrische Schüler aus der neuen Sprachlernklasse. Der erste Satz der Schüler hat einen besonderen Klang auf Arabisch, wenn von Allah die Rede ist: „Können Sie mir bitte sagen, welcher Gott hier wohnt?“   

Volkmar Heuer-Strathmann