Von Wassermassen, Glasmachern und Volleyballspielern


Klasse 6.3 auf Kurzklassenfahrt  im Nachbarland NRW


Als Sportlehrer weiß Thomas Fischer, was Imporovisieren heißt: Jemand fällt aus, jemand muss einspringen, kein Problem, das kommt vor, darauf ist man vorbereitet. Wenn aber erst kurz vor Antritt einer Klassenfahrt aus Krankheitsgründen eine knappe Absage eintrifft und die "Biologiestation" als Schwerpunkt wegfällt, ist die Angelegenheit schon etwas komplizierter. Aber Kollegien sind lernfähige Systeme.

So haben Annette Dammeier und Thomas Fischer als Tandem denn auch eine Lösung gefunden: Statt der biologischen Station wurde die Schachtschleuse in Minden besucht, Schiffahrt inbegriffen. Elf Millionen Liter Wasser in zehn Minuten, das ist schon ein ganz schöner Stoffwechsel im Schacht. Die Schiffer werden's danken. Die durchgeschleusten Fische dagegen werden kaum begeistert sein. Etwas weniger Wassermasse dürfte es bei der Flussmühle sein - in Minden unweit der Innenstadt eine echte Attraktion. Eine schwimmende Mühle, das wirft Fragen auf: "Könnte die Energie, die die Strömung liefert,  je ausreichen, um gegen den Strom zu schwimmen?"

Die zweitägige Klassenfahrt nach Petershagen (NRW) führte die  Schüler weiterhin  zur Alten Syngoge, wo eine Bronzetafel an die  ermordeten Juden aus Petershagen erinnert. Natürlich erfährt der Besucher der Gedenkeinrichtung auch etwas über die Pogromnacht vom 9. November 1938, in der der Nazimob sein wahres Gesicht zeigte. In Petershagen waren die Schäden am Bau und im Inneren, so ist zu lesen, etwas geringer als andernorts.  

Als verdiente Raststätte bot sich das Gymnasium an, in dem Annette Dammeier einst selbst Schülerin war. Zum Event besonderer Art wurde das gemeinsame Volleyballspielen. Schließlich ging es zum Industriemuseum Glashütte Gernheim. Dort  sahen die Kinder, wie die Glasmacher mit Pfeife, Holzform und Schere aus der glühenden Glasmasse Gefäße herstellen. 200 Ausstellungsstücke zeugen von echtem Kunsthandwerk der Handwerkskünsler, die als Glasbläser schon mal "Mundwerker" genannt werden.  

"Die Schülerinnen und Schüler waren bei allen Aktionen neugierig, interessiert und lebhaft dabei", bilanziert die Klassenleitung. Man übernachtete übrigens im Jugendgästehaus Petershagen. Als die  beiden Lehrkräfte nach zwei Tagen wieder im Lehrerzimmer zu sehen waren und sogleich  über anderen Arbeiten saßen, fragte ein fahrtgeprüfter Kollege ganz verwundert: "Seid ihr nicht eben erst losgefahren?"

Volkmar Heuer-Strathmann