9. Adolfiner-Treffen findet recht gute Resonanz

„Lieber Steine legen, als Musik zu unterrichten!“

Ein bisschen Stolz, viel Lebensweisheit, aber auch reichlich Dankbarkeit brachte Bärbel Allendorf-Reichert zum Ausdruck, als sie als "Goldene Abiturientin" beim diesjährigen Treffen des Vereins der Adolfiner sprach und wohl nicht allein für sich selbst sagte: "Glück gehabt!" Über fünfzig Ehemalige konnte der Vorsitzende Klaus Schnierl im Forum der Schule begrüßen, darunter allein 17 von 27 Absolventen aus der Herbstlese des Abiturjahres 1966, in dem ein Kurzschuljahr als Plankorrektur nach der Adenauerzeit gleich zwei Gruppen erfolgreicher Zöglinge hervorbrachte.

Für eine anrührende Stimmung sorgten sechs junge Musiker, die unter der Leitung von Fachobfrau Agnes Bergmann-Thiel in unterschiedlichen Formationen am Klavier, auf der Flöte oder mit Gesang ihr Können zeigten. Tim Böke, Arida Dickute, Theresa Focke und Stefanie Hövermann sowie die Brüder Jannis und Nicolas Goldbach gaben damit auch einen Einblick in das Schulleben am Adolfinum, das - neben den acht Theaterkursen und Imke Röders Allroundtechnikern - ganz entscheidend von den Musikern geprägt wird. Und der Verein der Adolfiner hat auf seine Weise mit finanzieller Unterstützung schon sehr viel dazu beigetragen, das wurde auch nicht vergessen.

Schulleiter Michael Pavel informierte die Gäste über einige Aspekte des Schulalltags, die zeigen, was sich alles verändert hat in der Bildungslandschaft. So war neben dem nicht mehr ganz neuen Stichwort "Bilingualität" von "Ansätzen der Inklusion" die Rede, von Ganztagsangeboten, von Mensamahlzeiten und von "Willkommensschülern" aus Afghanistan und dem Irak, die in zwei Sprachlernklassen unterrichtet werden. Das Adolfinum, das vor zwei Jahren auf 400 Jahre Schulgeschichte zurückschauen konnte, kommt zurzeit auf über 1000 Schüler, alle Jahrgänge sind fünfzügig. Anders als in den 60-ern: "Die Zahl der Abiturienten lag damals unter zehn Prozent."

Von Aspiranten des Jahres 2017 wie Phillip Köster und Jonne Grein bekamen die Gäste später weitere Informationen aus erster Hand, etwa über die Arbeit der Schülervertretung, das Angebot in der Oberstufe mit Fächern wie Spanisch und dem Seminarfach, Facharbeiten auf dem Gebiet der Psychologie und der Ökonomie, Stichwort "TTIP", und einem prächtigen Versuchsballon in Philosophie. Ein Rundgang mit Hans Fabian zeigte anhand moderner Gerätschaften, wozu Spendengelder in Physik und Biologie gut sein können. Gut hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg war eine Station geradezu denkwürdig: die Erinnerungstafel für die gefallenen Adolfiner, für die noch der rechte Platz und eine Botschaft gesucht wird, die zu einer „Schule ohne Rassismus“ passt.

Besonders frisch und gut gelaunt wirkte eine Gruppe älterer Herren, die mit ihrem betagten Trainer Gerhard Wieding "am nächsten Tag noch aufs Wasser" wollten. Der Gig-Vierer der Schaumburgia war (fast) komplett: Heiko Pörtner, Fritz Wilkening, Heinz-Gert Wedemeier und Klaus Schnierl. Als "Eiserner Abiturient" kann Ministerialrat a. D. Rolf Fielenbach auf die Reifeprüfung im Jahre 1951 zurückschauen.  Fünf Jahre Altersunterschied gegenüber den "Diamantenen Abiturienten" Gerhard Herdschmidt und Heinz-Albert Friehe, das war beim 9. Adolfinertreffen kein Thema mehr.

Die große Mehrheit im Auditorium zählt zu denen, über die die Festrednerin auf humorige Weise sagte, man reise gern, passe manchmal auf die Enkel auf, widme sich dem Garten oder einem anderen Hobby, man habe als Pensionär Zeit und Muße, manche aber seien immer noch aktiv als Künstler, Philosoph oder Lebenskünstler. Selbst auf das wirkliche Leben nicht von allen, aber doch von nicht wenigen Pädagogen "gut vorbereitet", wünschte die ehemalige Chefin eines Amtsgerichts den heutigen Schülern, Glück zu haben mit den Lehrkräften, auf dass auch in Zukunft der leicht variierte Satz gelte, für das Leben zu lehren, nicht für die Schule. Nicht weniger als das ist ja der Anspruch der heutigen "Kerncurricula", Abiturvorgaben und "Bildungsstandards".

Das reine Glück scheint der Lehrerberuf vor gut fünfzig Jahren übrigens nicht gewesen zu sein. Sonst hätte ein Musiklehrer sicherlich nicht das Klagelied angestimmt, er wolle manchmal "lieber Steine legen", als Musik zu unterrichten. Die von Allendorf-Reichert, seinerzeit Chefredakteurin der Schülerzeitung "Der Adolfiner", Schulsprecherin und Abiturrednerin, in ihrem Beitrag ebenfalls erwähnten "Stones" dürfte der geplagte Pädagoge nicht gemeint haben, eher Backgammon oder „Mühle“.

Volkmar Heuer-Strathmann