Hitzewelle verkürzt den Schultag auch in Bückeburg

Am Adolfinum gab  es auch einige lange Gesichter

Bei hohen Temperaturen nehmen die geistigen Fähigkeiten nicht unbedingt zu, das weiß man. Wie weit die Beeinträchtigung gehen kann, wurde am Adolfinum in einer 5. Klasse deutlich. Eben erst hatte Schulleiter Michael Pavel per Durchsage verkündet, die Sekundarstufe I habe habe auch am Freitag nach der 4. Stunde "hitzefrei", da gab es auch schon einige lange Gesichter: "Warum nur die Klasse 6.1?" Deutschlehrerin Gudrun Keuler konnte das Missverständnis klären und die Gemüter beruhigen. Die Erschöpfung mochte am zweiten Tag der Hitzewelle zugenommen haben - oder die Fremdwortkenntnisse abgenommen.

In der besagten Klasse 6.1 indessen, so wusste Imke Röder später unter Kollegen im Lehrerzimmer zu berichten, habe man sich gefreut, als einzige Gruppe auserkoren zu sein für die Schulzeitverkürzung. Auch das sei schnell geklärt gewesen, so  die Klassenlehrerin. So viel Latein muss sein, soweit man die übliche Abkürzung "Sek" noch als altsprachlichen Ausdrucksrest auffassen kann und "Sek eins" als trennscharf.

Wer bereits die "Sek zwei" besucht, nicht zu verwechseln mit der Klase 6.2, kam weder am Donnerstag noch am Freitag in den Genuss eines vorzeitigen Freibadbesuches. Man orientiert sich in Sachen Sekundarstufe II und "hitzefrei" an Gleichaltrigen in der Berufswelt. Ein Leistungskurs Politik-Wirtschaft im 11. Jahrgang klärte schon am Donnerstag die Regelungen, die das Grundgesetz in der Angelegenheit bereithält. Von körperlicher Versehrtheit als Verstoß gegen Artikel 2 (2) wollte niemand reden, die Eltern mochte keiner der Jugendlichen zu Hilfe rufen. Denn die haben bei minderjährigen Kindern nicht nur bei Glatteis und Schneeverwehung das letzte Wort über den Schulbesuch und seine Risiken. 

Volkmar Heuer-Strathmann