"In zwei Jahren wird es Bückeburg eine Multifunktionsanlage geben!"

Jugendforum zur Kommunalwahl 2016 stößt auf recht großes Interesse

Stell dir vor, es ist Jugendforum und du gehst hin, Phillip Köster eröffnet kurz und knapp mit ein paar Basisinformationen zur Kommunalwahl am 11. September 2016, Jan-Uwe Zapke moderiert gewohnt versiert und ideenreich, sechs Kommunalpolitiker gehen auf dem Podium locker in die erste Runde und über achtzig zumeist junge Gäste hören interessiert zu. Ein Traum? Die Hitze?

Eher wohl temperiert gab man sich auf dem Podium. „Wir sind das Original!", betont Cornelia Laasch als Kandidatin der "Grünen" unaufgeregt mit Blick auf die Nachahmungsversuche anderer in Sachen Ökologie. "Wir sind wirklich liberal", hebt der FDP-Mann Hendrik Tesche unaufdringlich hervor. "Wir sind WIR und wir schauen kritisch auf die etablierten Parteien", ist Andreas Schöniger als Vertreter der Gruppe "WIR für Bückeburg" zu vernehmen. Als einer der "Bürger für Bückeburg" hebt Raimund Leonhard die „tiefe Verbundenheit“ mit der ehemaligen Residenzstadt und ihrer Bürgerschaft hervor. Man tut Bernd Insinger (SPD) und Axel Wohlgemuth (CDU), den beiden Vertretern der großen Volksparteien, die Bückeburgs Entwicklung entscheidend, aber nicht etwa alleine geprägt haben, sicherlich nicht Unrecht, wenn man von einer großen Schnittmenge spricht. Realisierbarkeit ist dem Christdemokraten dabei besonders wichtig, Zuständigkeit dem Sozialdemokraten. Spricht Wohlgemuth mehr von der Rolle der Schulen in Sachen Politik und Engagement, so setzt Insinger stark auf einen "Jugendbeirat" - etwas Stabiles, etwas Stetiges, etwas Verbindliches. - Vom Bürgermeister als Mann an der Spitze ist hier an keiner Stelle die Rede, die Wahl steht nicht an dieses Jahr.  

Anders als Im Publikum sitzt auf dem Podium langjährige Erfahrung, zum Teil Jahrzehnte lang. Ob der Abend die Bereitschaft weckt, Politik vor Ort selbst später aktiv mitzugestalten, wird die Zukunft zeigen. Schöniger kann da noch am ehesten etwas vorweisen und Leonard steht auch nicht schlecht da, wenn es um jüngere Kandidaten geht. Und ausschließlich Menschen im "Ehrenamt", wie Zapke betont.

Was die individuelle Wahlentscheidung der JUngwähler anbelangt, wurde dem Anliegen von Cornelius Büthe nur bedingt entsprochen. Der wortgewandte Adolfiner hatte wissen wollen, was den Wähler konkret bewegen soll, einen der sechs Kandidaten zu wählen, vielleicht sogar gleich mit drei Stimmen. Die Antworten blieben recht programmatisch, man kann das nachlesen. Es gibt Flyer, es gibt die Zeitung, es gibt das Netz. Da hatte Oliver Renner aus dem 11.Jahrgang schon mehr Glück - nicht nur wegen der Heiterkeit im Auditorium. Sein an „Schilda“ erinnernder Fall einer Baumaßmahme veranlasste Insinger immerhin zu dem Eingeständnis, da sei "in der Tat Blödsinn" gemacht worden. Wohlgemuth nickte wortlos. Die Frage nach der („sträflich vernachlässigten“) Bürgerbeteiligung – ob nun vom Kreis zu verantworten oder nicht - wurde nicht weiter vertieft, man ist schließlich nicht im Leistungsfach Politik-Wirtschaft, Stichwort „Partizipation oder echte Souveränität“.

Weitere Themen des Abends waren die Integrationsthematik (Schöniger: „menschlich betrachtet, nicht rein administrativ“), der beklagte Nachwuchsmangel der Parteien, die Zukunft der erneuerbaren Energien am Ort und die Sicherung der Standortqualität Bückeburgs. Das Erste wollen alle Kandidaten, das Zweite fürchten alle Parteien - und die großen alten ganz besonders, das Dritte bekämpft inzwischen im Prinzip niemand mehr, höchstens in der Nachbarschaft, und das Letzte ist eigentlich einen eigenen Abend wert, ausgehend vom Wort des Liberalen: "Es sollte gute Gründe geben durch kluge Wirtschaftsförderung, dass ihr nicht weggeht, dass viele wiederkommen!" Aber bitte nicht alle, das wäre anti-global, also beschränkt und spießig - ein Trumpelpfad (!). Einem Rütlischwur gleich wurde übrigens die hypothetisch formulierte Möglichkeit, unter dem Harrl im Zeichen von TTIP und anderen Scheinfreiheiten Fracking zu betreiben, um schnödes Öl zu fördern, in den Bereich der unvorstellbaren Vorstellungen verwiesen. 

Recht konkret wurde es, als eine Schülerin fragte, welches "Jugendprojekt" man innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre einlösen wolle. Die Vertreterin der "Grünen" antwortete: "Die Multifunktionslage!" Der Moderator fragte die Vertreter der anderen Parteien, ob sie das zusagen könnten. Dies schien dem Sozialdemokraten leicht zu fallen, da die Mehrheitsgruppe dies "auf Drängen der 'Grünen'", so die "Grüne" im Nachgespräch, im Haushaltsplan eingesetzt habe. Der CDU-Mann schien sich nicht mehr zu zieren - zur Freude der "Grünen", obwohl man seitens der Union mehr auf die Förderung des Vereinssports setzt ("Gutscheine für Grundschüler").

Manche im Raume schauten allerdings skeptisch: Dass etwas Gewünschtes und Gutgeheißenes nicht installiert werden kann, weil es - sprich: das Gelände am Adolfinum - nicht der Stadt gehört, sondern dem Kreis Landkreis Schaumburg, also auch der Öffentlichen Hand, stürzt einen ja auch in eine tiefe Nachdenklichkeit. Roman Herzogs seinerzeit viel beachtete Rede vom "Ruck", der durch Deutschland gehen müsse, müsste vielleicht mal an die Verantwortlichen verschickt werden, ganz grün „papierlos“ - versteht sich.  

Was die Wahlbeteiligung der versammelten Jungwähler angeht, kann man guten Mutes sein. Wer bei solchem Traumwetter den Weg zum Jugendforum findet, statt irgendwo nur zu chillen oder zu grillen, der wird auch sein Wahllokal finden. Vielleicht haben auch paar Eltern Lust, mal mitzugehen zum Wählen. Geht ja nicht so oft in der Demokratie nach Art der Bundesrepublik Deutschland. 

Volkmar Heuer-Strathmann