Als das Lesen der Romantiker noch geholfen hat - Teil 2

Bibliotheksleiterin Christine Busch findet wahren Bücherschatz

Die Abiturienten können aufatmen. Das Werk "Tieck und Wackenroder" von Jakob Minor ist nicht verschollen, es kann in der Bibliothek des Adolfinum ausgeliehen und gelesen werden. Um im Abitur 2017 im Fach Deutsch über das "Ende der klassisch-romantischen Kunstperiode" und die Bedeutung Georg Büchners zu schreiben, ist es vielleicht hilfreich, auch einen Romantiker wie Tieck zu kennen, und sei es aus zweiter Hand. Wackenroder ist übrigens nicht für Rodungsarbeiten im Sumpfgebiet Wacken verantwortlich.

Hintergrund der aufgeregten Schreiberei: Ein Leihschein aus dem Jahre 1921 ließ befürchten, die dort aufgeführten Werke könnten noch ausgeliehen sein. Fehlanzeige! Das erste Buch ist wieder da - Bibliotheksleiterin Christine Busch sei Dank! - und die anderen werden womöglich folgen. Der Ausleihende ist als der damalige Bückeburger Pastor Hermann Heidkämper identifiziert.

Als Verfasser kleiner und nicht ganz so kleiner Schriften zur Kirchengeschichte ist er selbst in der  Bücherei präsent. Die 1917 im "Reformationsjubeljahr" vorgelegte Schrift über die "Kirchengeschichte in Schaumburg-Lippe vor und nach der Reformation" könnte einem Facharbeiter im Seminarfach mit religiösem Schwerpunkt vielleicht zu Einsichten mit lokalem Bezug verhelfen und noch mehr Punkten. 2017 wird die Ausleihzeit voraussichtlich verkürzt werden, schließlich ist wieder Jubeljahr rund um Luther und die Reformation.

Auch ein zweiter Bibliotheksnutzer aus Urzeiten ist identifiziert. Wie wir den ebenfalls von Christine Busch herausgesuchten "Jahresberichten" entnehmen können, wird ein gewisser Heinz Hespe im Schuljahr 1921/1922 als Abiturient geführt. Im Juni 1921 entlieh er ein Werk über die Renaissance, das noch nicht aufgestöbert werden konnte. Ob der gute Mann, übrigens einer der wenigen Absolventen mit "regelrechter Reifeprüfung", wirklich Medizin studiert hat wie angekündigt, wissen wir (noch) nicht. Der große Rest: "Realgymnasiasten", junge Zöglinge, die ins Bankfach strebten, was mit Geld machen wollten beim Finanzamt oder bei der Marine Heil und Glück suchten. Von Elektrotechnik war auch schon die Rede. Leihscheine der Realisten liegen nicht vor, aber das beweist nichts.

Von denen, die heute mal ein Buch ausleihen, etwa zur Verfertigung einer Facharbeit über psychologische Fragen, wird man in einhundert Jahren sicherlich keine Ausleihdaten mehr finden. Die Buchführung der Bücherei der Schule funktioniert anders als ehedem, und das hat nicht nur Vorteile.

Volkmar Heuer-Strathmann